Das war März 2026

Wo ich war

Es ergab sich, dass ich gleich zwei Branchenveranstaltungen anschauen konnte.

Zunächst die “GG Bavaria”. Eine Veranstaltung mit einer großen Bühne und vielen kleinen Anspielstationen auf dem Olympiagelände in München. Nett.

Skurriles am Einlass: der Security-Dude meinte: “Das Notebook darf nicht mit rein!”

Ich, Loriot channelnd: “Ich ARBEITE in der Branche!”

Dude: “Ach so, dann okay.”

Ne, ich verstehe es auch nicht.

Und in Frankfurt war die “Massif Games Convention”, die mit der Wortwahl vermutlich bewusst das nostalgische Leizpig-Gefühl ansprechen will. Massiv war nicht die Veranstaltung, so heißt – mit f – der Veranstaltungsort auf der Frankfurter Hauptwache, früher bekannt als die E-Kinos. Ein paar Indie-Titel, bisschen Sim-Racing und natürlich die südhessische Gaemzbrangsche. Auch nett.

Podcasts

BOML Folge 43 dreht sich um “Carnival”. Ein echter Geheimtipp für Leute wie mich, die sich nicht lange mit komischen Puzzles aufhalten wollen, aber eine schöne Geschichte erleben.

Und dann war ich zu Gast. Bei “Buchnerds”, dem Podcast von Carina Zacharias. Ich habe primär gejammert, dass es gerade alles nicht so doll läuft – danke für dieses Podium! 😀

Gelesen

Christoph Engemann: Die Zukunft des Lesens

Manche Sachbücher haben das Problem, dass der Klappentext den gesamten Inhalt zusammenfasst. Das ist so eins.

Natürlich interessiert mich das Thema brennend, und über den Klappentext hinaus hatte ich mir ein paar Denkanstöße erhofft. Ein paar interessante Gedanken gab es auch, aber unterm Strich ist das ein Buch für Leute, die zwei Bedingungen erfüllen: a) wer einen kompakten Überblick über den aktuellen Zustand des Medienflickenteppichs haben möchte mit ein paar Abschweifungen in die Medienhistorie, und sehr wichtig b) all das in einer sehr akademischen Sprache präsentiert haben möchte.

Engemann schreibt korrekt, dass noch nie so viel gelesen und geschrieben wurde wie heute, und dass mit den Mitteln der LLMs die Textproduktion nur noch zunehmen wird. Und er stellt fest, dass soziale Graphen – eine Basis für Social Media – immer weiter das Leseverhalten verhändern und dass die schriftliche Kommunikation sich in den letzten Jahrzehnten durch Messenger stark verändert hat.

Seine zentrale These ist, dass sich der Text zur “Plattform-Oralität” verschiebt: mündliche Rede tritt dort in den Vordergrund, wo der Text verschwindet, und auch hier kann der Bogen zur technisierten und automatisierten Sprache geschlagen werden. Eine interessante Beobachtung: der Walkman in seiner ersten Iteration und anschließende Geräte mit Kopfhöreranschluss wurden von der Öffentlichkeit immer wahrgenommen als ein Abschottungsmechanismus. Aber mit Earbuds und ihren Mikrofonen wird quasi das gleiche Gerät zum Kommunikationsmittel. Und in dieser Mediengemengelage ist der Aufstieg der Podcasts zu sehen: gewachsen aus dem Musikmarkt, im Rahmen des sozialen Netzes zu einem Reaktionsraum geworden.

Ich hatte erwartet, dass er zum Thema “digitales Lesen” noch was zu bieten hat, aber das wird nur am Rande abgefrühstückt: dass ein E-Book nur au seinem abstrakten, nicht greifbaren Raum besteht und diese Form eigentlich nur für Gebrauchsliteratur relevant sei. Greift in meinen Augen etwas kurz, so was wie ein integriertes Lexikon fällt in dieser Sichtweise einfach unter den Tisch. In diesem Zusammenhang wird mir die “Oralität”, die man in andere Situationen des Alltags einarbeiten kann, etwas zu sehr idealisiert. Es gibt den Ausdruck “Bügelfernsehen” für anspruchslose TV-Unterhaltung, und es gibt auch “Bügelpodcasts”, die einfach im Hintergrund laufen können.

(Warum Engemann mehrfach Jordan B. Peterson droppt, erklärt sich mir nicht, denn dessen Karriere und Äußerungen sehe ich nicht stellvertretend für die Medienhistorie, sondern besser am Rande jeder Wahrnehmung …)

Letztlich wird das Lesen langer Texte in Engemanns Wahrnehmung nur noch eine Fähigkeit einer bestimmten Gruppe sein. Ein “Neues Latein”, während das gesprochene Wort vorherrscht:

In der Plattform-Oralität werden Bücher zu etwas, was andere besitzen und andere lesen. Bücher werden immer weniger selbst besessen, und wo nicht mehr selbst gelesen wird, etabliert sich eine das Neue Latein auszeichnende sekundäre Opakisierung. Sie entsteht durch die Delegation der Lektüre an stellvertretende Leser:innen und die gleichzeitig wirksamen algorithmischen Dynamiken des Sprechzeugs. Dazu gehört die graphen- und inzwischen auch KI-basierte Zugangsbewirtschaftung dieser Leser:innen.

Davon abgesehen, dass das Zitat einen Eindruck des Duktus des Buches vermittelt – nope, den Punkt sehe ich nicht, das ist mir zu einfach in die Zukunft extrapoliert. Das Alte Latein wird im Buch definiert als das Wissen einer gebildeten Gruppe, die dadurch überhaupt erst Zugang zur Bildung bekommt. Das kann man über das Lesen allgemein nicht sagen, denn es ist der Schlüssel für den Konsum aller Medien.

Und wer nur Podcasts über Bücher hört statt Bücher zu lesen, sollte das ändern.

Gute Links

  • radio.garden: Über eine Weltkugel scrollen und in Echtzeit die Radiostreams anhören. Toll.
  • Der Waliser Harry Morgan hat den Frankfurt-Marathon 2025 gelaufen. Sein Video fängt die Atmosphäre der gesamten Strecke großartig ein. Ich empfehle den Teil ab 9:50 mit der immer wieder putzigen Musik (das alte Rock-Paar) und den grölenden Leuten in Goldstein und Schwanheim, die sich beim Frühschoppen die rennenden Bekloppten anschauen.
  • 1993 gab es eine “Herr der Ringe”-Verfilmung im finnischen Fernsehen? Ich geh kaputt.

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