Verkaufserwartungen

Relationen sind ziemlich relativ.

Ein kleiner Verlag denkt in den Hunderten. Wenn ein Buch mit 500 Stück gedruckt wird und 400 davon wirklich weggehen, ist das schon ein großartiger Erfolg. Wenn weitere Auflagen gedruckt werden oder sogar der vierstellige Bereich erreicht wird: ICH BIN DER KÖNIG DER WELT!

Ein Titel bei einem Großverlag, der mit entsprechenden Verkaufserwartungen belegt ist, bewegt sich nordwärts der 10.000 Exemplare. Wird davon nur die Hälfte verkauft, ist das die verlegerische Zombie-Apokalypse.

Bei E-Books denkt man gar nicht mehr an Auflagen, nicht mehr an vorrätige Exemplare. Nur noch an Verkäufe.

Zumindest stelle ich es mir so vor, wenn ab Montag mein E-Book online ist. Als mein erster Roman erschienen ist, hing ich STUNDENLANG vor der amazon-Seite und checkte den Verkaufsrang und versuchte, darin Muster zu erkennen wie Neo in der Matrix. Wann wurde wie viel verkauft? Wie viele Exemplare waren es bislang insgesamt? Bei dem E-Book wird es gleich (oder zumindest sehr schnell) handfeste Zahlen geben – von den Retouren abgesehen.

Was sind nun meine Verkaufswartungen bei der Anthologie? Nun – ich bin Realist und würde gern folgende Phasen durchlaufen:

1 Verkauf: Es hat geklappt! Die ganze Mühe hat sich gelohnt! Ich bin im grünen Bereich!

10 Verkäufe: Zweistellig! PRIMÄRZIEL ERREICHT! Mit dem eingenommenen Geld kann ich einen Monat lang Spotify und Watchever nutzen!

25 Verkäufe: Großartig! Die Anthologie ist ein durchschlagender Erfolg! Ich erwarte stündlich den Anruf des Feuilltons der „Zeit“ und werde zum Pfeifenraucher.

50 Verkäufe: Unfassbar – ich habe schon die Verkaufszahl von Leuten verkauft, die bereit sind, 8.000 Euro Druckkostenzuschuss an einen „Verlag“ zu zahlen. Ich ziehe mich vom Schreiben zurück und lerne Lama-Zucht, weil ich diesen Erfolg nicht mehr toppen kann.

100 Verkäufe: DREISTELLIG! Mein Leben ist komplett. Ich schreibe meine Autobiografie und trete für die SPD als Kanzlerkandidat an.