Star Wars VIII — und IX

Erzählerische Herausforderungen und subjektive Ideen

Es steht eine Fußball-WM vor der Tür, und dann werden wieder Tausende Leute, die sich für die besseren Nationalmannschaftstrainer halten, eine Meinung haben. Für einen besseren Drehbuchautoren als das, was Hollywood zu bieten hat, halte ich mich nicht, aber ich möchte trotzdem ein paar Ideen dazu notieren, was jetzt die Herausforderungen nach Teil VIII sind.

Ebendiesen Teil habe ich gerade gesehen. Ja, ich bin spät dran. Und ich möchte ausdrücklich vor warnen, die nun folgen werden. Ich selbst habe die letzten Wochen erfolgreich alle Spoiler umgangen und alle Artikel abgespeichert, die nach Sichtung des Films lesen möchte, weswegen meine Queue auf Pocket so aussieht:

Man kann noch weiterscrollen, da kommt noch mehr. Ich freue mich drauf, das jetzt endlich alles lesen zu können, was an diesem Film gelobt und kritisiert wurde, aber es kommen nun meine losen Gedanken direkt nach dem Sehen.

Nochmals: Es folgen . Wer den Film noch sehen will, sollte keinesfalls weiterlesen.

.

.

.

.

.

.

Echt.

.

.

.

.

.

Das Kino in Nidda hat jetzt einen neuen Mini-Saal mit 32 Plätzen. Da lief der Film jetzt. Sechs Wochen nach der Premiere. Hölle, geht das inzwischen schnell.

.

.

.

.

.

.

In der ersten Reihe sind die Sitze so beschaffen, dass man eine Fußablage hochklappen kann. Das habe ich noch in keinem Kino gesehen.

.

.

.

.

.

.

So, jetzt aber:

Zunächst — ich bin mehr als zufrieden mit diesem Film. Er ist mutig, er fährt mit dem großen Pinsel quer über den ganzen Star-Wars-Kanon, er ist grandios inszeniert. VII hat mir gefallen, weil er handwerklich gelungen war — quasi ein Best of von Star Wars — Teil VIII begeistert mich nach der ersten Sichtung.

  • Nun, zugegeben, das Schneckenrennen, das den Rahmen der Geschichte bildet, wirkt etwas seltsam. Da flieht die eine Flotte vor der anderen, und die Bösen kommen immer näher — hey, fliegen wir einfach mit einem kleinen Schiff zu einem Planeten, um einen Codeknacker zu holen. Es wird mit Treibstoff so um die Ecke rum argumentiert … ja, das ist etwas bemüht, aber ich kann mich damit arrangieren. Es reißt mich nicht völlig aus dem Film raus. Leute, die gern argumentieren, dass man im Weltall auch keine Explosionen hören kann, sehen das vermutlich anders.
  • Der Humor wird — da bin ich mir sicher — in vielen Artikeln, die ich lesen werde, von vielen zerrissen werden. Nicht von mir. Ich fand ihn in den jeweiligen Szenen sehr gezielt eingesetzt, alles war in character. Vielleicht bin ich auch leicht zu amüsieren.
  • Snoke. Ja, nun … ein obermächtiger Kerl, der eine gewaltige Backstory hat, wird einfach mal so aus der Geschichte gepiekst. Da bin ich mir unsicher, ob ich das mutig finden soll oder ob da jemand eine spontane erzählerische Kehrtwende eingelegt hat.
  • Die größte Szene hat für mich Rose, als sie Finns Kamikaze-Angriff unterbindet. Denn man muss retten, was man liebt, statt zu bekämpfen, was man hasst. Großartig. Kitschig, in your face, aber meine Güte, gut es tut, so was zu hören.

Was soll nun Teil IX bringen? Und was würde ich tun?

  • Eine Feuerbestattung von Leia. Gleich am Anfang. Ohne Worte. Würde wundervoll den Bogen zu Return of the Jedi schlagen und wäre Carrie Fisher würdig. Bitte auf keinen Fall den Rogue One-Trick mit dem CGI. Bittebitte nicht.
  • Han, Luke, beide weg. Leia zwangsweise auch. Welchen dramatischen Tod werden wir in Teil XI haben? Tja, der Millenium Falken muss dran glauben. Vermutlich mit Chewie an Bord. Die nistenden Porgs werden natürlich vorher in Sicherheit gebracht.
  • Luke wird aber wieder auftauchen. Mit Blaufilter.
  • Ben sagte, Reys Eltern seien Schrotthänder und auf Jakku verscharrt. Es spricht viel dagegen: Erstens könnte Ben bewusst gelogen haben, zweitens ist die Verbindung der beiden zu stark, drittens gab es in VII den Rückblick mit dem wegfliegenden Schiff. Die Aussage finde ich stark: Nicht deine Herkunft macht dich macht-voll, sondern was du tust. Eine mythischere Hintergrundgeschichte würde das verwässern, aber es würde mich nicht wundern, wenn Rey doch noch eine bekommt — um die alteingesessenen Fans zu beruhigen, die, glaube ich, so was verlangen. Daher fände ich es erzählerisch erstrebenswert, wenn Ben die Wahrheit gesagt hätte, aber …
  • Als Trilogie betrachtet bin ich ein klein wenig erstaunt, welchen Akzent sie nach 2/3 setzen und nicht am Ende. Der neue Funke der Hoffnung für die Rebellion wäre doch das perfekte Ende für Teil IX gewesen. Da frage ich mich: Hatten sie schon bei der Planung von Teil VII die Idee, den Mittelteil so zu gestalten? Oder war das alles Abrams-Improvisationstheater wie damals bei Lost? Fragt ihn bitte für mich, wenn ihr ihn seht.
  • Wo ich darüber nachdenke: Gerade die Schlussequenz mit dem Besenjungen wäre auch ein wunderbares Ende für Teil VII gewesen: Das ist jetzt alles für eine neue Generation. Sie setzen damit ein Versprechen, das sie hoffentlich auch einhalten. Nun, wo Abrams Teil IX inszenieren wird … nun, Daumen bleiben gedrückt.
  • Nachdem VIII bündig an VII angeschlossen hat — wird IX das auch tun? Aber durch Leias (vermutlichen) Offscreen-Tod und der Aussicht auf einen Wiederaufbau der Rebellion, könnte es auch erstrebenswert sein, einen kleinen Zeitsprung zu machen. Gab es zwischen V und VI ja auch. Also: eher ja, würde ich so machen.
  • Könnte es ein love triangle zwischen Finn, Rey und Rose geben? Hm, muss nicht sein.
  • Nun haben wir Kylo Ren als alleinigen Obermotz etabliert. Aber … was soll er tun? (Stimme aus dem Hintergrund: Eine neue Starkiller Base bauen!) Klar will er endgültig die Rebellion vernichten, und klar wird die fröhlich weiterwachsen … aber was wird bei Teil IX als äußere Handlung im Mittelpunkt stehen? Nein, dieser Mutmaßung gebe ich mich nicht hin. Am Ende ist es wirklich eine neue Starkiller Base …

Genug von mir. Jetzt lese ich nach, was andere dazu meinen.