Bis dann, Android

Gadget-Neugier ist schrecklich.

Letztes Jahr dachte ich: Mal gucken, ob man noch mit einem klassischen Handy leben kann, wo inzwischen jeder Horst mit einem iPhone rumläuft. Also kaufte ich mir ein Nokia C5 – mit der klassischen Tastatur. Endlos lange Akkulaufzeit – toll. EXTREM fummeliges Internet an allen Fronten – nicht so toll. Nach einem halben Jahr habe ich kapituliert und bin zum iPhone zurückgekehrt.

Inzwischen hat sich an der Smartphone-Front viel getan, und man findet im Preisbereich von 100 bis 200 Euro eine Menge gut ausgestatteter Geräte mit Android in der Einsteigerklasse. Und diese Geräte, wie das so ist, sind technisch meinem iPhone (2G!) weit überlegen.

Dieser Zustand in Verbindung mit Gadget-Neugier führte zum HTC Wildfire S.

Ersteindruck: Prima – der 3,2-Zoll-Screen hat genau die richtige Größe, und das Gerät ist insgesamt deutlich handlicher und leichter als ein iPhone. Natürlich ist es ein Plastikbomber und nicht halb so gut verarbeitet. Das Display geht in Ordnung, mehr aber auch nicht, und das gilt auch für die Fotoqualität.

Ernüchterung: Obwohl eine 16-GB-Karte im Handy steckt, beschwert es sich recht bald über Speichermangel. Erst jetzt lerne ich, dass bei einem Android das RAM und die SD-Karte zwei Paar Schuhe sind. Apps werden erstmal ins RAM geladen, welches auch noch mit Programmdaten vollgeballert wird. Die Apps muss man manuell auf die Karte verschieben (was nicht alle unterstützen) und Cache muss man leeren. Erwarte fast, dass ich auch die autoexec.bat editieren muss. Ich schmeiße wieder massig Apps wieder runter. Ich weiß – die besseren Androids haben genug RAM und dieses Problem nicht. Trotzdem – so ein Problem kennt man in der i-Welt nicht.

Relative Zufriedenheit: Wenn es etwas gibt, das Android richtig macht, dann die Widgets auf dem Homescreen. Für WLAN, Bluetooth, GPS usw. kann man Schalter direkt auf dem Screen ablegen. Genauso wie Kontakte. Beides Dinge, die es im starren iOS nicht gibt und wohl auch nie geben wird – leider. Die Notifications sind auch toll, und es ist nur gut, dass die in iOS 5 ähnlich angelegt wurden. Schönes Detail: Die Lautstärke des Weckers ist unabhängig von der allgemeinen Lautstärke. Mit dem Wildfire lässt sich leben. Die Sprachqualität ist richtig gut. Leider erlebt es auch ein paar Totalabstürze, und das größte Ärgernis ist die Akkulaufzeit – okay, die ist auf keinem Smartphone richtig gut.

Es nagt: iOS 5 macht auf dem iPad richtig Spaß. Und iCloud. Leider spielt das Android da nicht so richtig mit. Siri hat eine anziehende Persönlichkeit. Videos in 1080p aufnehmen. Perfektes Zusammenspiel mit dem restlichen technischen Ökosystem. Hm.

Zurück zu Muttern: Ja, ich bin schwach geworden und habe wieder ein iPhone. Ein 4s. Ein schwarzes. Es muss nur noch auf die Micro-SIM umgestellt werden, dann kann ich es auch als Telefon benutzen.

Nachwort: Ich bin mit einem gebrauchten PowerBook 170 rumgelaufen, als mir alle erzählten, Windows ME sei viel besser als sein Ruf und Apple sowieso pleite. Heute laufen alle Business-Hanseln mit Apfelprodukten rum, und ein klein wenig muss man sich über diese Parallele schämen. Ja, ich werde nun wieder mit bis zu 4 Apple-Produkten gleichzeitig ausgestattet sein. Ja, ich werde das Klischee des kreativen Freiberuflers erfüllen. Ja, ich werde im Café am Macbook an einem Projekt arbeiten und auf dem iPhone telefonieren. Nein, ich tue das nicht, weil ich zu einer kreativen Elite gehören will, und nicht, weil ich die Apple-Produkte aus Prestigegründen nutzen – sondern weil sie mir die Arbeit so leicht wie nur möglich machen und mir nicht im Weg sind.

Aber ob Windows Phone 8 interessant wird? Bin schon ein bisschen neugierig …

Warum habe ich diese großartigen Finnen bislang verpasst? Aber es ist ja nicht zu spät für eine nette Endlosschleife am Montagmorgen. (Gefunden via Torsten Scheib – danke!)

Notizen vom Frankfurt-Marathon 2011

Die Strecke tangierte die Zelte der Occupy-Okkupisten. Das wollten diese offenbar nicht einfach so hinnehmen und stellten sich auf den Bürgersteig und hielten den Läufern das Transparent hin: “Ihr spekuliert mit unserer Zukunft”. Was ich jetzt im Bezug auf den harmlosen Marathon-Eumel so nicht unterschreiben kann. Wenn die nächstes Jahr dort noch campieren, trage ich 2012 ein Shirt: “Laufen für den Kapitalismus”. Immer dagegen sein.

Am Ende der Kennedy-Allee stand wieder der alte Mann mit der Luftangriff-Drehkurbel. Er drehte und grinste, es heulte. Wie jedes Jahr. Kein Frankfurt-Marathon wäre vollständig ohne ihn.

Extrapunkte für den Lautsprecher-Mann in Niederrad, der Spannung via Trantütigkeit perfektioniert hat, als er durchsagte: “Und der Gewinner ist schon im Ziel! Wilson Kipsang hat gewonnen … und den Weltrekord … um drei Sekunden … verfehlt!” Allgemeines Aufstöhnen im Läuferfeld.

Ratschlag an den Querflötisten in Goldstein: “Another One Bites the Dust” ist NICHT sonderlich motivierend.

Lob für die Band auf der Schwanheimer Brücke, die quasi-coverte: “Über diese Brücke musst du geh’n / 700 Meter übersteh’n”.

Und ansonsten hab ich gelernt, dass die Erfahrung aus fünf erfolgreichen Marathonläufen nicht genug ist, um einen sechsten abzuschließen, für den man deutlich zu wenig trainiert hat. Unter mein Sportjahr 2011 machen wir nach einem Wolkenbruch-Halbmarathon, einem Hitze-Halbmarathon und einem “did not finish”-Marathon bitte einen dicken Strich und reden nie wieder darüber.

Das wird hier langsam ein Failblog. Aber ich fühle mich gnadenloser Ehrlichkeit verpflichtet.

Wie man nicht ins Fernsehen kommt

Wer Samstag meine Twitter- und Facbook-Nachrichten verfolgt hat, dem ist nicht entgangen, dass ich ein Kamera-Casting hatte. Darauf habe ich mich eingelassen, weil ich dachte, dass das eine interessante Erfahrung sein könnte. Wurde es auch. Interessant.

Von vorne: Vor einigen Wochen habe ich bei uns im Vogelsberg eine kleine Lesung abgehalten. Und klein war sie. Der größte Teil der Zuhörerschaft war entweder Verwandtschaft oder Presse. Letztere schrieb auch nette Berichte und damit war das Ganze eigentlich abgefrühstückt.

Ein paar Tage später klingelte das Telefon und eine Dame einer Filmproduktionsfirma aus Köln meldete sich. Sie erklärte mir, sie produzierten im Auftrag des Hessen Fernsehens das “hessen quiz”. In der dreizehnten Staffel. Und sie suchten immer in Tageszeitungen nach – wörtliches Zitat – “interessanten Hessen”. Da haben sie mich gefunden. Mich, den interessanten Mittelhessen, der so komisches Zeug schreibt. Ob ich mich nicht mal für die Sendung bewerben möchte?

Lustigerweise kam dieser Anruf exakt drei Minuten nach der Anfrage, bei der Buchmesse öffentlich an einer Geschichte zu arbeiten und zu einem Zeitpunkt, als ich fiese Schmerzmittel wegen eines eingeklemmten Rückennervs einnehmen musste. Und wo ich schon die andere Sache spontan zugesagt hatte – warum nicht auch das.

Es wurde ein Termin für ein Telefoncasting vereinbart. Bei diesem musste ich in einer Fragerunde ein paar Testfragen beantworten, von denen ich auch die meisten beantworten konnte. Als jemand, der zwar schon an mehreren Orten gelebt hat, aber nie außerhalb Hessens, schien ich für das Quiz wie gemacht. So bestand ich das Telefoncasting und wurde fürs Kameracasting nach Frankfurt eingeladen. Ob denn die Fahrtkosten bezahlt werden, fragte ich noch, ganz der Freiberufler. Nein, wurde mir gesagt, das mache der HR nicht, denn der sei ja ein öffentlich-rechtlicher Sender. Ich habe lange Zeit über diese Begründung nachgedacht und beschlossen, sie nicht zu verstehen.

Eine Sache muss ich noch zu den beiden Telefonaten erläutern, damit klar wird, wie dämlich ich mich angestellt habe.

In beiden Gesprächen wurde ich darauf hingewiesen, dass sicher danach gefragt wird, welche Bundesländer an Hessen grenzen. Das ist eine Standardfrage. Eine wichtige Frage. Eine, die man beantworten können sollte! Zumal sie nicht schwer ist. Ich glaube, Matthias Beltz hat es umrissen: Der Hesse ist von Feinden umgeben und hat keinen direkten Zugang zum Meer und daher kein Gefühl der Freiheit.

Meine Vorbereitung fürs Kamera-Casting war, in der S-Bahn den Wikipedia-Artikel über Hessen zu überfliegen. Meine Gemütslage war entspannt. Meine emotionale Disposition: Wenn sie mich wollen, okay, wenn nicht, auch okay.

In der Eingangshalle des Hessischen Rundfunks hatten sich zur MIttagszeit etwa 15 Leute versammelt, querbeet durch die Demografie. Lauter interessante Hessen. Wir alle wurden von einer jungen, engagierten Dame in einen Warteraum geleitet, wo wir ins mit einem Namensschild ablichten lassen durften und Getränke bekamen. Letztere waren wichtig, denn das Casting zog sich. Mir war gesagt worden, dass es schnell gehen würde – unterm Strich saß ich 1,5 h im Warteraum. Anderthalb Stunden, in denen das “hessen quiz” auf einem riesigen Plasma-TV lief. Ich suchte mir einen Sessel in einer Ecke und übersetzte ein Spiel.

Pünktlich zur Mittagsmüdigkeit wurde ich zur Kamera gerufen. Eine andere junge, engagierte Dame erklärte mir ein letztes Mal das Prozedere. Ich solle vor der Kamera möglichst gut gelaunt und fröhlich wirken und zeigen, dass ich unbedingt in diese Sendung will!

Fast hätte ich gesagt: Moment – Sie haben doch mich angerufen. Fast.

Vor einer Kamera zu sitzen macht mir nichts aus. Lässt mich kalt, seit ich 15 Kilo abgenommen habe. Aber ich weiß noch aus meiner Schulzeit, dass mein Hirn zum Abschalten tendiert, wenn ich mich unwohl fühle. Und wenn jemand mir sagt, dass ich besonders gut drauf sein soll, passiert in meinem Inneren automatisch das Gegenteil (zur Erinnerung: große Faschings-Aversion). Im Vorgespräch war auch erwähnt worden, ich solle kein Schwarz tragen, weil das traurig wirkt. Habe natürlich Schwarz getragen. Wie immer.

Nun, nach 1,5 h Wartezeit, mit einem hängenden Magen und erfüllt von absolutem Unwillen, gute Laune zu demonstrieren, hatte ich keine Lust mehr und wäre am liebsten sofort wieder aufgestanden. Kannste nicht machen, dachte ich, also beantworte einfach die Fragen, grinse irgendwie, und tschüss, Onkel Otto.

Wegen der allgemeinen Verspätung bei der Veranstaltung (inzwischen waren schon 15 weitere interessante Hessen in den Warteraum getrieben worden) dauerte das eigentliche Kamera-Casting keine fünf Minuten. Ein paar kurze Warmup-Fragen, wer man denn eigentlich sei, und dann die Frage, wie viele Bundesländer an Hessen grenzen.

Ich tue so, als müsste ich nachdenken und rattere runter: Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen. Also 5.

Entsetzte Blicke bei der jungen, engagierten Damen. Die Antwortmöglichkeiten sind 4, 6 und 8.

Mein Hirn hat längst in den Egal-Modus gewechselt. Fehlt da eins? Muss wohl. Vier können’s ja nicht sein. Ich hadere ganz Quizshow-mäßig. Jauch wäre stolz auf mich. Irgendein völlig irrelevantes Bundesland ist doch noch da unten links. Saarland? Nee, ach ja – Rheinland-Pfalz!

Ich beantworte die anderen Fragen vergleichsweise souverän. Aber es ist klar: Ich habe mich ungefähr so hirnlastig präsentiert wie der interessanteste Hesse überhaupt – der kopflose Reiter aus “Sleepy Hollow”. Beim Elfmeterschießen versagen ist nicht schön. Wenn man vorher gesagt bekommt, in welche Ecke sich der Torwart wirft, ist es unverzeihlich.

Der Spuk ist vorbei. Als ich den HR verlasse, habe ich zum ersten Mal an diesem Tag richtig gute Laune. Denn ich weiß: wegen eines Drehtermins werde ich nicht über fehlende Fahrtkosten jammern müssen.

Aber wenn ich schon einen Tag für so ein Casting opfere, soll wenigstens ein Blog- Eintrag rausspringen.

iTypologie

Menschen in Schubladen stecken ist unschön.

Umso besser, dass es dank ihrer technischen Ausrüstung so leicht ist:

Macbook Air & iPad & iPhone

Drei Möglichkeiten:

1) Ein treuer, langjähriger Apple-Fan, der schon tausende Mark in seinen Quadra gesteckt hat, als alle von Windows 95 geschwärmt haben, und der nun glücklich ist, dass seine Lieblingsfirma alle Bereiche seines Lebens abdeckt.

2) Ein neu- oder altreicher Angeber beliebigen Alters, der glaubt, sein kaum vorhandenes Selbstwertgefühl durch Apple-Produkte aufpolieren können. Hat bis letzten Mai behauptet, dass Apple nur für Idioten sei.

3) Jemand, der erst einen iPod hatte, es dann durch ein iPhone ersetzt hatte und halt mal ein Macbook und schließlich ein iPad angeschafft hat. Weil er die Geräte gut findet. Hat trotzdem seine bisherige Religion behalten, es glaubt ihm nur keiner.

Windows-Notebook & iPhone

Eigentlich ein Windows-User der alten Schule, aber als der Vertrag auslief, hat er sich halt mal von T-Möbel ein iPhone aufschwatzen lassen. Hat sicherheitshalber den Blackberry behalten, man weiß ja nie. Wird langsam warm mit dem iPhone, aber würde sein Thinkpad nie hergeben. OS X ist ihm eh zu bunt. Wird entweder ein Allround-Macuser der Kategorie 3 werden oder in 2 Jahren zu Windows Phone wechseln.

MacBook Pro & Android / Blackberry / Windows Phone

Hat erst seiner Frau ein MacBook gekauft, ein weißes. Weil die so begeistert war, wie leicht mit dem alles geht, hat er es sich näher angeschaut. Beim nächsten Windows-Absturz hat er wutentbrannt das MacBook Pro (15", die teuerste Standardvariante) bestellt. Natürlich hat er auch eine Partition mit Windows drauf, wegen der Buchhaltungssoftware, die er seit 1987 nutzt. Wenn er in der Öffentlichkeit das Notebook nutzt, legt er sein geschäftsmäßig aussehendes Smartphone daneben, damit jeder weiß: Das ist niemand, der so einen Mac zum Spaß hat.

Windows-Notebook & Android / Blackberry / Windows Phone (& optional Android-Tablet)

Zwei Möglichkeiten:

1) Ist mit seinem Fuhrpark zufrieden, hat aber auch nichts gegen Apple.

2) Hasst Apple wie die Pest und lässt keine Möglichkeit aus, der Umwelt zu erklären, dass es überall tolle Alternativen gibt. Behauptet, dass Apple nur für Idioten sei.

MacBook & Android-Tablet

So jemanden gibt es nicht.

Die Gegend ist nur dünn besiedelt. Im Vogelsberg wird Basalt abgebaut, in den Tälern gibt es kleinere Industriestädte.

Dies ist der gesamte Wikipedia-Eintrag über die Wirtschaft meiner Heimat. Ich geh dann weiter Basalt abbauen.

Outing! Auf Bühne!

Und wieder um eine interessante Erfahrung reicher. Sogar zwei: Zum einen Story-Pingpong mit dem großartigen Martin Ganteföhr, zum anderen das Ganze auf einer Bühne. Martin, grippal angeschlagen, schlug zurück und zog es durch – Hut ab!

Nun sah ich mich gezwungen, über meine Arbeitsweise zu plaudern, und die ist, sagen wir es neutral, tendenziell weniger strukturiert als bei anderen Autoren. Und weil ich selbst den letzten Schrott, der auf dem Boden des Schneideraums landet, nie ganz lösche, sondern in Scrivener in einem eigenen Dokument namens “ALT” ablege, sah ich mich gezwungen, mich selbst als “Storytelling-Messie” zu outen.

Und weil das so schön klingt, ist’s auch gleich in der Überschrift des Buchmesse-Blogeintrags gelandet. 😀

Was das schönste an „Siri“ ist?

Es wird einen neuen Plattformkrieg geben! Denn natürlich wird Google die “Voice Actions” von Android verbessern, und Microsoft wird bei Windows Phone auch so was bringen. Und dann geht der Kampf los. Großartig!

Warum mich das so freut? Weil es um TEXT geht. Zum einen wird das Smartphone zum funktionierenden Diktiergerät (ich muss aktuell regelmäßig 2h Auto rumbringen, dass ich schon ernsthaft an die Anschaffung von was denke), zum anderen werden da Erinnerungen wach, als die Nutzerschaft zuletzt gespalten war, wer die bessere, schönere, originellere Texterkennung hatte.

“Natürlich Infocom!”

“Nein, der Magnetic-Scrolls-Parser war viel besser!”