Mehr Smudos

Der Deutsche Computerspielepreis 2012 ist verliehen worden, und es gab zwei große Aufreger.

Erstens, dass noch während der Preisverleihung alle Preisträger im Netz nachzulesen waren. Warum? Die Veranstaltung hatte etwas später als geplant begonnen, aber die Pressemitteilung hatte das nicht gekümmert. Sie drängte sich mit der gewohnten Berliner Ruppigkeit in die journalistischen Maileingänge und verbreitete sich wie Schnupfen. Ein Missgeschick, kein Drama.

Schwerer wiegt die Diskussion um die Nominierung (und den Sieg) von “Crysis 2” als bestes deutsches Spiel. Die Preisverleihung selbst war professionell und unterhaltsam. Gute Moderatoren, exzellente Musik. Der Anfang allerdings war mehr als holprig. Staatsminister Bernd Neumann kommt auf die Bühne und mosert erstmal die Regie an, dass er nicht am Pult an der Vorderseite der Bühne stehen möchte und verlangt ein Mikro, das er auch gleich bekommt. Dann will er nicht seine vorgefertigte Rede ablesen und beginnt, die Unabhängigkeit der Jury zu preisen. Alles schön, sehr sympathisch, Entwickler und Politik liegen sich weinend in den Armen. Hätte der gute Mann nicht gleichzeitig per Pressemitteilung verlauten lassen, man müsse die Vergabekriterien des Preises auf den Prüfstand stellen.

Wie die Reaktionen darauf ausfallen, lässt sich bei SpOn nachlesen, und auch der Wertung der Redakteure – siehe Überschrift des Artikels – kann ich zustimmen. Niemand wird “Crysis 2” einen pädagogischen Anspruch unterstellen wollen, aber wie kann man auf die krude Idee kommen, ein Spiel ohne Jugendfreigabe könne nicht kulturell wertvoll sein?

Aber das alles geht am eigentlichen Problem vobei.

Und das ist, dass jemand wie Bernd Neumann und ein riesengroßer Mario nicht zusammengehören.

Ich kam gestern Abend zum Veranstaltungsort. Draußen wurde Streetart gesprayt, drinnen musste ich an diversen Cosplayern vorbei und mich an einem bemitleidenswerten Studenten in einem riesigen Mario-Kostüm vorbeiquetschen. Der Dresscode des Publikums ist querbeet von over- bis underdressed.

Und dann kommt Bernd Neumann, dieser ältere, distinguierte Herr, der von dieser ganzen Welt nicht weiter weg sein könnte, und der muss sich Filmclips anschauen, deren Anspielungen er sicher nicht versteht.

Gut, könnten wir also das nerdige Rahmenprogramm weglassen, machen alles etwas ernster. Tja. Ändert nichts an den Spielen selbst. Im Gegenteil wäre dann der Kontrast zu den Spielen selbst NOCH größer als es schon der Fall ist. Feierliche Stimmung? Kaum möglich. Machen wir uns nichts vor: So etwas wie Glamour KÖNNEN Computerspiele gar nicht verströmen.

Oder doch?

Dann kommt Smudo. Als er ein Bild von sich als Statist in “Wing Commander V” zeigt und beginnt, “Portal” aus dem Gedächtnis zu zitieren – das ist der Moment, in dem alles zusammenpasst. Da steht jemand, der weiß, wovon er redet, dem man seine Begeisterung abkauft. Jemand, der dieses Medium liebt.

Wir brauchen bei diesem Preis keine hampelnden Maskottchen.

Wir brauchen auch keinen pädagogischen Mehrwert.

Wir brauchen mehr Smudos.