Ihr Kindlelein kommet

Zur Lage meiner persönlichen eBook-Nation:

Vor einigen Monaten bin ich vom Sony Reader 505 zum Kindle umgestiegen. Ein guter Schritt. Vor allem der höhere Kontrast des Pearl-Displays macht sich gut – bei zwielichtigen Verhältnissen gibt der Kindle immer noch genug her, bei dem Sony war das Lesen dann unmöglich (fairerweise soll erwähnt werden, dass die aktuelle Sony-Generation auch das Pearl-Display besitzt).

Ich bin froh, die 50 € Mehrpreis für das UMTS-Modell ausgegeben haben. Die Möglichkeit, wirklich immer und überall ein neues Buch kaufen und sofort lesen können zu können – sogar im Ausland-, ist großartig.

Extrem praktisch auch die Kindle-Software für iPad, iPhone und Desktop. Man kann sich vor seinen Büchern praktisch nicht mehr retten, denn sie stehen überall zur Verfügung – und sogar die Leseposition wird synchronisiert. iBooks ist vielleicht die feinere App, aber Kindle hält mehr Türen offen (auch langfristig, falls man auf Android wechselt, irgendwann, warum auch immer).

Und der Akku? Traumhaft – man muss nur den Funk abschalten, dann reicht es, das Ding ein Mal im Monat zu laden.

Bewundernswert frech ist allerdings die Weigerung von amazon, eine Rechnung mit ausgewiesener Mwst auszustellen. Rein rechtlich ist das wohl wasserdicht, weil die Firma in Luxemburg angemeldet ist, aber als Grund wird angegeben, dass man die eBooks ja nur an Privatpersonen verkaufe. Nein, das muss ich nicht verstehen, aber ich habe keine Zeit, deswegen bei der EU anzurufen.

Ich muss meine offizielle Meinung über eBooks ändern.

Bislang hab ich immer beschwichtigt: Nein, eBooks werden das gedruckte Buch nicht töten, niemand will irgendwem das Papier wegnehmen, es wird immer auch Bücher geben.

Nun ja – es WIRD immer weiter gedruckte Bücher geben. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diejenigen, die erstmal auf den eBook-Zug aufgesprungen sind, sich noch viel Papier ins Regal stellen wollen. Wenn man irgendwelchen Untersuchungen glauben darf, lesen immer weniger Leute – aber die lesen immer mehr. Und ein eBook-Reader wie der Kindle ist das ultimative Gerät für Viel- und Parallelleser.

Es tut mir leid, das zugeben zu müssen, aber, Leute, das IST eine Zeitenwende.

Was noch fehlt, ist ein eBook-Reader, der die Vorteile von eInk und iPad vereint:

– Größe, Gewicht und Laufzeit eines Kindle.

– Farbdisplay, das im Licht die Eigenschaft von Papier besitzt und im Dunkeln beleuchtet ist.

– Software-Flexibiliät des iPad.

Wenn das passiert, wird das gedruckte Buch wieder zum Zustand der Prä-Taschenbuch-Ära zurückkehren – es ist dann wieder ein Luxusobjekt.

Aber wir werden mehr lesen als je zuvor.