Ich und der andere

Die Pressearbeit für “Bin ich blöd und fahr in Urlaub?” läuft gerade auf Hochtouren. Massig Presseartikel, einiges an Hörfunk, dann auch noch ein TV-Auftritt, und aktuell kommen immer weiter Anfragen rein. Es ist Juli – da hat das Nichtreisen eben Konjunktur. Für mich, der bislang im bescheidenen Rahmen seine Bücher bewerben konnte, ist das eine interessante Erfahrung. Und eine, die in mir die Erkenntnis hat reifen lassen, dass zwischen einem Fantastik-Autor und einem Comedian gar kein großer Unterschied herrscht. Beide werden gleichermaßen missverstanden. Und ich bin auch noch beides …

Denn schaut man sich mein Portfolio an, ist das für Leute, die mit mir nun in Erstkontakt kommen, sehr verwirrend. Klar, der Löffler hat dieses lustige Buch da geschrieben. und sonst? Hm. Drei Fantasy-Romane. Einen Jugendkrimi. Ein Politthriller soll auch noch kommen. Aber auch noch so ein lustiges Buch. Eigentlich arbeitet der an Computerspielen. Und der lebt gar nicht in einer Metropole, sondern irgendwo in der Wildnis.

Ich durfte es als Zuhörer gerade erst bei einer Fantasy-Lesung von Kollegen miterleben: Immer – wirklich IMMER – ist da jemand im Publikum, der eigentlich gar keine Fantasy liest oder mag und nur mitgekommen ist, weil seine Frau da hin wollte oder in der Gegend sonst gerade nix war. Dann sitzt er da hört, sich Texte über Fabelwesen an, und alles in ihm drängt danach, endlich die Frage zu stellen: “Muss man eigentlich irgendwie … verrückt sein, um so was zu schreiben?” Die Frage impliziert die Antwort. NATÜRLICH muss man verrückt sein. Also anders als normale Leute wie er, die für solche Hirngespinste keine Zeit haben, die mitten im Leben stehen (so wie der Frager). Diese Fantasy-Autoren müssen ja irgendwie unnormal sein, dass sie überhaupt so komisches Zeug schreiben. Und dann gibt es offenbar genug andere Irre da draußen, die so was kaufen (und lesen!), sodass die Autorinnen und Autoren irgendwie davon leben können. Immerhin: hier sind die Fronten klar. Dort die bescheuerten Fantasten, hier die normalen Leute. Das erdet in der Realität. Man kann sich selbst einordnen.

Aber eine Katastrophe kann geschehen, die so eine schöne Ordnung zerstört.

Ironie.

Schlimmer noch: Selbstironie.

Was, wenn da einer ist, der über etwas Reales unter seinem realen Namen schreibt? Sagen wir … das Nichtreisen. Nicht Drachen, Orks oder Trolle, sondern nicht in den Urlaub fahren! Ja, muss man da eigentlich irgendwie völlig verrückt sein? Gerade Leute, die begeistert verreisen können das nicht fassen. Ja sie werden sogar pampig, wenn man sie wenig subtil darauf hinweist, dass ihr Hobby nicht für alle erstrebenswert ist. Da muss es nicht mal konkret ums Buch gehen, die Verwirrung ist schon groß genug, dass da keine Sockenpuppe sitzt, die so was sagt, sondern jemand der – nach landläufigen Meinungen – wie ein echter Mensch aussieht. Dass so jemand diese ominöse “Ironie” einsetzen könnte, wenn er öffentlich sagt, dass er niemals in Urlaub fährt und das auf Nachfragen sogar bestärkt – das kann ja nur Verwirrung auslösen.

Ist dieser “Falko Löffler”, der nicht gern verreist also eine Kunstfigur und der echte “Falko Löffler” verreist am laufenden Band? Und wo genau beginnt eigentlich der Fantasy-Löffler und verreist der auch nicht oder wie? “Normale” Menschen sind da schnell überfordert. “Wie jetzt, verreisen Sie WIRKLICH nicht gern?”, ist eine Frage, die mir nun wirklich in jedem Interview gestellt wurde. Damit wird ja impliziert, ich hätte mit dem Buch nur eine Masche ausgesucht, die ich durchexerziere. Dabei handelt es sich doch nur um zwei Gedankensprünge:

1. Ich verreise wirklich nicht gern.

2. Ich übertreibe diesen Zustand ironisch.

Das Problem ist, dass Leute, die gern verreisen, schon am ersten Gedankensprung scheitern. Die empfinden das Buch und meine Äußerungen als destruktiv oder sonstwie negativ. (Was die Behauptung, dass Reisen bildet, schon mal automatisch widerlegt, höhö.) Und wer den Satz in der Klammer jetzt nicht halbwegs lustig fand, schafft auch den zweiten Gedankensprung nicht, weil ABSOLUT KEINE ANTENNEN für Ironie vorhanden sind. Nun scheint es mir auch Leute zu geben, die zumindest die Ironie erkennen, aber nicht die Selbstironie in meinem Buch. Schlimmer noch, Ironie-Antennen empfangen nicht immer auf der gleichen Frequenz. Meine Ironie ist anders als deine.

Tja. Was soll ich machen? Mit Humor ist nicht zu spaßen. Ich werde weiter mit der fließenden Grenze zwischen dem Nichtreiselöffler, dem Fantasylöffler, dem Computerspielelöffler und dem Jogginglöffler spielen. Was ist der echte Löffler? Der Typ, den man in echt trifft. Zum Beispiel am 3. August in Gießen. Und ich werde auch in Zukunft lieber den Zorn der Reisesüchtigen auf mich ziehen, als dass diese weiter ungefragt ihrem schändlichen Treiben nachgehen dürfen! (IRONIE! ECHT!)

Wie eines meiner Vorbilder und der größte Vogelsberger aller Zeiten, der auch wenig Lust hatte, zwischen Privat- und Bühnenperson zu unterscheiden, sagte:

“Die Wirklichkeit ist so ernst, dass wir sie nicht länger ernst nehmen dürfen.”