Ich, der Selfpublisher?

Seit einigen Jahren geht die Angst um.

Autoren fürchten sich davor, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Vor allem dann, wenn sie nicht selbst ihre Sachen rausbringen und/oder nicht in den sozialen Medien aktiv sind. Gibt’s da draußen nicht Buchmillionäre, die noch nie mit einem Verlag zusammengearbeitet haben? Und geht’s den Verlagen nicht immer schlechter? Sollte man nicht die Weichen stellen? Und diese Piraten! Die wollen uns doch alles kaputtmachen!

Also Selfpublishing? Aber das ist anrüchig. Da kommt doch nur das Gehackte hin, das keine Verlag wollen, die bringen nur die Filetstückchen. Selfpublisher sind allesamt gescheiterte Autoren!

Ich schätze höchst subjektiv das Ganze derzeit so ein:

  • Im Gegensatz zu einem Verlagsvertrag ist jede Art von Selfpublishing das kleinere Brötchen. Kein Vorschuss, geringere Reichweite, Kosten für Lektorat und Cover. Schon von daher kann es nur als Ergänzung im Autorendasein gelten – es sei denn, ein Buch hebt kolossal ab, nur ist das genauso eine Lotterie wie der klassische Buchmarkt.
  • Nicht jeder Selfpublisher ist ein abgelehnter Autor. Viele wählen diesen Weg ganz bewusst und sogar exklusiv. Aber:
  • Die Gefahr, eine Stinkbombe zu ziehen, ist bei Selfpublishern größer als bei etablierten Verlagen. Diese treffen natürlich eine intensive, langwierige Auswahl. Auch dort gibt’s Schrott, aber bei Selfpublishern ist dieser Filter bestenfalls ein guter Freund, der sich die Freundschaft nicht verscherzen will.
  • Nicht jeder Selfpublisher ist ein verkanntes Genie. Leider ist es das Selbstverständnis von vielen, die reihenweise von den großen Verlagen abgelehnt wurden, meist ohne irgendeine Begründung (das tun die Verlage, damit die Autoren sich nicht zu einer Grundsatzdiskussion über ihr Werk eingeladen zu fühlen). Diese Autoren sind von Zorn erfüllt, dass die Verlage ihr geniales Werk nicht verlegen wollen. Also bringen sie es eben selbst raus und schreiben wütende Blogeinträge über die Verschwörung der Großverlage.
  • Es gibt Selfpublishing-Juwelen da draußen. In den Charts findet man trotzdem nur Esoterik-Erotik-Schlonz für 0,99 €. Liegt wahrscheinlich daran, dass man das auf einem Reader ganz anonym und unerkannt in der S-Bahn lesen kann.
  • Jeder Selfpublisher, der nicht bei einem Zuschussverlag landet, ist ein Gewinn für die Menschheit. Das jeweilige Buch wird dadurch nicht besser, aber der Autor hat keine sinnlose Ausgabe namens „Druckkostenzuschuss“ und dem entsprechenden „Verlag“ geht die Kohle durch die Lappen.

Und wo verorte ich mich selbst? Macht mich ein selbst verlegtes E-Book zum Selfpublisher? Nein, Verlagsverträge habe ich auch noch – und hätte nichts gegen weitere, denn das Heizöl wird nicht billiger. Aber gerade für Sparten, die am Buchmarkt gerade keine oder wenig Chancen haben (eben Kurzgeschichten, Science Fiction etc) ist das ein interessanter Weg.