Ein Gedanke zu den Kinderbüchern

Wisst ihr noch, früher? Als wir endlos übers Urheberrecht diskutiert haben?

Die Zeiten sind vorbei. Heute diskutieren wir über inhaltliche Änderungen an Kinderbüchern, die mal vom Autor selbst vorgenommen werden (was in diesem Fall legitim ist, aber wenn Schorsch Lucas es an seinen Filmen macht, verachtenswert ist), mal von den Verlagen. Daraus sind einige seltsame Argumente erwachsen, die sich oft darum drehen, welche Begriffe denn nun als rassistisch empfunden werden können und welche nicht.
Warum kommt eigentlich niemand auf die Idee, nicht nur bestimmte Begriffe, sondern gleich das ganze Buch auf den Prüfstand zu stellen? Warum muss ein Buch, das seit Jahrzehnten von Eltern vorgelesen oder in Schulen behandelt wird, automatisch weitergetragen werden? Nein – ich habe nichts dagegen, wenn ein Buch sich langfristig in den Köpfen und Herzen etabliert, mich stört der Automatismus dabei (gelegentlich ‘Curriculum’ genannt).
Wenn ein Buch als fragwürdig wegen bestimmter Begriffe erscheint – Eltern, lest ein anderes Buch vor; Schulen, gebt den Kindern ein aktuelles Buch, vielleicht spricht es sie sogar mehr an.
Kein Buch ist ein “zeitloser Klassiker”, sondern immer Kind seiner Zeit. Sprachlich wie inhaltlich. Ein Klassiker kann es werden, und dann kann man es als solchen behandeln – mit Respekt. Oder wie den verwirrten Großonkel bei den Familienfeiern, der immer noch irgendwelche Worte benutzt, bei denen alle betreten zu Boden schauen: Man gibt ihm einen Schnaps und setzt ihn in eine Ecke neben eine schwerhörige Großmutter. Bei Büchern nennt man so was Bibliothek oder historisch-kritische Ausgabe.
Und wenn ich mir die Jugendsprache so anhöre … die Begriffe aus verstaubten Kinderbüchern können mit den Beleidigungen des 21. Jahrhunderts sowieso nicht mithalten.