E-Book-Preise

Die Anthologie hat mich intensiver über den Preis von E-Books nachdenken lassen. Zunächst über meine eigene Anthologie. Die hat ca. 200 Seiten und 60.000 Wörter, also kann man durchaus von Buchumfang sprechen. Was ist da ein fairer Preis für Leser – wie auch für mich?

0,99 €? Nein, dieses „race to the bottom“ möchte ich nicht mitmachen. Ich weiß, es gibt viele dicke E-Books von Selfpublishern da draußen, die diesen Preis tragen. Und die darauf hoffen, dass es einen Mitnahmeeffekt gibt. Kennen wir ja schließlich vom App Store. Nur – bei diesem Preis lande ich in diesem Haifischbecken, auf das ich keine Lust habe.

1,99 €? Nee, da könnte ich auch gleich bei den 0,99 € bleiben, wenn ich es unbedingt so günstig wie möglich haben will. Diesen Preis halte ich für super, wenn es sich um eine Novelle handelt, die an die 100 Seiten hat. Aber auch hier hätte ich das Gefühl, meine Geschichten präventiv zu verramschen.

Nun kommt erschwerend hinzu: Bei amazon gibt’s eine Grenze von ca 2,80 € Verkaufspreis. Liegt man drunter, bekommt man 35% Anteil vom Erlös – liegt man drüber, sind es 70%. Mir ist schleierhaft, warum das nicht besser gestaffelt wird oder es nicht noch 1 oder 2 Zwischenschritte gibt. Nun verspreche ich mir von der Anthologie eh keine Reichtümer, aber wenn ich einen Preis von 2,49 € in Betracht ziehe (den fände ich perfekt), gehe ich doch lieber gleich zu 2,99 € – ich glaube nicht, dass das für die wirklich interessierten Käufer einen Unterschied macht, aber bei dem Teil, der letztlich bei mir ankommen, ist der Unterschied gewaltig.

Und diese wirklich interessierten Leser sind es, für die ich das E-Book rausbringe. Das werden vielleicht nicht mal 50 sein (bin schon zufrieden, wenn es über 10 werden), aber das ist mir egal. Wenn diese 50 Leser mit den Geschichten gut unterhalten werden, ist mir das lieber, als wenn 500 Leute das Ding für 0,99 € oder Tausende es gratis laden und es auf dem Reader vermodert. Ich habe selbst schon einen BERG ungelesener Gratis- oder Günstig-E-Books, die immer gegenüber den Titeln zurückstehen, die ich gezielt gekauft habe, weil ich sie tatsächlich lesen will.

Ein Preis jenseits der drei Euro? Geben Leser vermutlich kaum für eine Anthologie aus, wenn es nicht gerade der Lieblingsautor ist oder diese sehr voluminös ausfällt. Ich habe bewusst die in meinen Augen weniger gelungenen Geschichten weggelassen, statt die Anthologie auf über 300 Seiten aufzublasen.

Für mich als Leser und E-Book-Käufer sind 10 € die Schallmauer. Ein Buch muss mich schon SEHR interessieren, dass ich mehr für eine sehr eingeschränkte Lizenz zum Lesen ausgebe. Auch bei Preisen von 7,99 € oder 8,99 € denke ich zwei Mal nach, ob ich das Buch wirklich lesen will. Mein persönlicher „Sweet Spot“ für einen Roman als E-Book ist 4,99 €. Kann man einfach so ausgeben, auch mal auf gut Glück, und tut nicht weh, wenn das Buch dann doch nicht so viel Spaß macht. Aber dieser Preis bleibt erst mal Wunschdenken … die meisten E-Books zum Hardcover werden weiterhin an die 20 Euro kosten …

Also: 2,99 €. Und ich werde zumindest dieses Jahr nicht am Preis drehen, egal wie wenig Exemplare verkauft werden. Keine Gratis-Aktionen, keine Preissenkungen. Langfristig – mal sehen.

Beim Erscheinungstermin lege ich mich nun auch fest: nächsten Montag, 12. August.