Der Doktor sagt, alles ist gut

Ich hole “Doctor Who” nach. Die neue Serie, die 2005 von der BBC begonnen wurde. Beziehungsweise “rebootet”, wie man wohl sagen muss.

In der dritten Folge dieser ersten Staffel verschlägt es den Doktor nach Cardiff im Jahr 1869, und dort trifft er auf Charles Dickens. Es entspinnt sich eine Geschichte, in der es zunächst um Geister zu gehen scheint, dann um Zombies, bis sich zeigt, dass sich interdimensionale Wesen hinter allem verbergen. Wunderbar wirres Garn, beste Unterhaltung, fast schon geerdet, wenn man bedenkt, dass es in der Folge davor 5 Milliarden Jahre in die Zukunft ging.

Und durchaus harter Tobak. Gruselig.

Nun ist der Vorteil einer Retrospektive, dass man im Wikipedia gleich die Hintergründe nachlesen kann. ImEintrag zu dieser Episode stieß ich auf einen interessanten Satz: ”The episode received some criticism from parents, who felt that the episode was ‘too scary’ for their young children; the BBC dismissed the complaints, saying that it had never been intended for the youngest of children.”

Hierzulande haben wir einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der von satten Gebühren finanziert wird, außerdem noch Werbeeinnahmen bekommt, aber trotzdem so tut, als müsste er sich gegen die Privatsender behaupten, und der seine brauchbaren Sendungen ins Nachtprogramm der Spartenkanäle verbannt. Wir haben Politiker, die immer noch von “Killerspielen” reden und sich als Hardliner zu profilieren versuchen und diskutieren um den eigens geschaffenen Preis, während die “British Academy of Film and Television” längst Preise an “Portal 2″ und “Batman: Arkham City” verleiht.

Oh, beneidenswertes England, wo Jugendschutz so angegangen wird, wie es sich gehört: indem man sagt, dass Kultur nicht auf Infantilität aufbaut.

Was nicht für Kinder gedacht ist, ist nicht für Kinder gedacht.