Chromebooks sind tot (in Deutschland)

Ich weiß, ich weiß, dabei war ich doch in den letzten Jahren der Typ, der allen erzählt hat, wie toll Chromebooks sind.

In der Theorie sind sie das immer noch.

Schaut man aktuell bei den üblichen Händlern nach, welche Modelle es gibt, wird man enttäuscht. Es gibt drei Chromebooks von Acer (ein klassisches Modell mit 14 Zoll, ein Convertible mit 13 Zoll, ein Convertible mit 11,6 Zoll). Das sind die Standardmodelle. Einige führen noch teure HP-Geräte, und hier und da gibt es noch das 15-Zoll-Modell von Acer, aber es fällt auf, dass es eben nicht mehr die Chromebooks gibt, die neugierige, experimentierfreudige Käufer anlocken, nämlich welche, die deutlich günstiger als Einsteiger-Notebooks mit Windows sind.

Denn das war der Hauptgrund: Wer ein Chromebook kaufte, akzeptierte damit, ein eingeschränktes Gerät zu haben (kein Windows = kein Office, kein Steam etc), aber Vorteile zu bekommen:

  • Verflucht günstig.

Und nun auch noch die Unterstützung von Android-Apps, bei deren Anküdigung ich dachte: Killer. Macht aus jedem Chromebook ein Convertible, und die Dinger gehen durch die Decke.

Derzeit passiert das Gegenteil, und die sowieso kaum vorhandene Handelspräsenz scheint mir eher abzunehmen.

Wo Chromebooks immer noch wunderbar funktionieren, ist der US-Bildungsmarkt. Deswegen versucht Apple ja nun auch seine iPads dort zu pushen. Aber warum sollte sich da was ändern, wenn fünf iPads so viel kosten wie ein Klassensatz Chromebooks?

Ich hatte die letzten Jahre immer mindestens ein Chromebook im Einsatz und viel Spaß damit. Verflucht, die Teile sind perfekte Google-Docs-Schreibmaschinen. Mein aktuelles Acer Chromebook R11 ist inzwischen nur noch zu dem Ding geworden, mit dem die Kinder was im Netz nachschauen können und das sonst ungenutzt in der Ecke liegt. Warum?

  • Die Android-Unterstützung war anfangs ein totaler ein Witz, dann lange unbrauchbar, und wichtige Apps laufen auch aktuell noch sehr halbgar auf einem Chromebook. Ist ja schön, wenn man betamäßig dabei sein darf, aber irgendwann nervt es, wenn es nicht funktioniert.

Und das neueste Gerät, das jetzt erscheint? Ist ein “Chromebook Tablet”. Um es mit Sokrates zu sagen: WTF? Es mag ja ein verkapptes Android-Tablet sein, aber selbst mit einer Tastatur wird daraus kein richtiges Notebook und es kostet fast so viel wie ein verdammtes iPad.

Ich möchte mich bei allen entschuldigen, denen ich die letzten Jahre begeistert geraten habe, sich ein Chromebook anzuschaffen. Oder hat Google da noch etwas in der Mache, was tatsächlich alles ändern könnte?

Derzeit wirkt Chrome OS wie ein einziges Improvisationstheater, und im Moment bin ich wohl selbst nicht experimentierfreudig genug.

Full disclosure: Worauf ich diesen Text geschrieben habe? Nicht auf einem Chromebook. Sondern auf einem Surface Pro.