Aufmerksamkeitsökonomie, 2019 Edition

Es ist nicht unmöglich, völlig konsequent zu leben, aber auch verflucht unrealistisch.

Natürlich möchten wir alle das richtige Leben haben und uns auf eine Weise verhalten, die zu unserem Selbstbild passt. Von den Leuten abgesehen, denen das völlig egal ist und die nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind, und erfahrungsgemäß sind genau das diejenigen, die anderen Leute eine „Doppelmoral“ vorwerfen, sobald sie auch nur einen Angriffspunkt wittern.

Ich habe bei mir festgestellt, dass mein Selbstbild und mein Handeln immer weniger deckungsgleich wurden und dass meine Faulheit darunter litt. Denn aus Faulheit kommt Ruhe, aus Ruhe kommt Tatendrang, aus Tatendrang kommt Produktivität. Es mag sein, dass eine gewisse Ruhelosigkeit ein Automatismus ist, wenn man Mitte 40 erreicht, wodurch eine gewisse Torschlusspanik blüht und die Fähigkeit zur Faulheit verloren geht. Es war nötig, ein paar Stellschrauben zu drehen.

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Reden ist Silber, Schweigen ist Quatsch

In der Gegend, in der ich lebe, hat die AfD bei der Hessenwahl in einigen Dörfern über 20, ja sogar über 30 Prozent bekommen. Sicher, es sind nur kleine Dörfer, oft mit 100 oder 200 Einwohnern, aber die Balkendiagramme sehen übel aus. Bei Facebook schrieb ein Freund das folgende Zitat, und meine Antwort darauf fiel dann etwas länger aus, denn dieses Thema treibt mich gerade um.

Vielleicht kann ein Ansatz sein, dass man in Vereinen und Kirchengemeinden mit den Wähler*innen der AFD reden kann. In Mainz erreiche ich, komme ich erst gar nicht ins Gespräch, weil sie sich nicht zu erkennen geben. So könnte man hoffentlich noch die überzeugten Rassisten von fehlgeleiteten Protestwähler trennen.

Ich sehe es prinzipiell genauso, aber meine Erfahrungen sind eher schlecht. Mir ist es schon passiert, dass jemand am Sportplatz rumblökt, dass für ihn nur die AfD in Frage kommt. Das will ich natürlich genauer wissen, aber letztlich siegen da Phrasen und Lautstärke. Und nach meiner Erfahrung möchten sich die meisten Leute dann gar nicht einmischen, entweder wird genickt oder weggeguckt, aber keiner macht sein Maul auf. Die Schreihälse gewinnen. Versucht man, eine echte Diskussion zu führen, gilt man wahlweise als arrogant, als Besserwisser, als Akademiker. (Nicht, dass es mich irgendwie kümmern würde, wie andere Leute mich sehen.)
Letztens nach dem Tischtennis: Ein Spieler der anderen Mannschaft fängt an zu erzählen, dass der George Soros ja die ganzen NGOs gegründet hat, die die Flüchtlinge auf den Weg schicken. Natürlich weise ich dann darauf hin, dass das erstens Blödsinn ist und zweitens “Soros” ein rechtsradikales Codewort für Judenhass ist. Reaktion um mich rum: nix. Hat es was bei dem Typen gebracht? Er zieht sich ernsthaft auf “Das ist halt mein Weltbild” zurück.
Sein Weltbild.
Das sehen wir ja hier bei Facebook, dieses Weltbild.
Ich mache ja auch hier Gegenwind, wenn irgendwelche rechtsradikale Scheiße gepostet wird. Erfahrung? Man postet unter zB ein Fake-Zitat, das ein Grünen-Politiker nie von sich gegeben hat, einen Link zu Mimikama oder ähnliches, wo das widerlegt wird.
Ein Klick ist das dann entfernt.
Ein fucking Klick.
Die Folge? Wird ignoriert. Die Leute posten unter den eigentlichen Beitrag fröhlich ihre Hass-Smileys. Und teilen es. In Massen. Sorry, Leute, aber ihr werdet von mir geblockt. Nicht, weil ihr konservativ seid, nicht, weil ihr Sorgen habt, sondern weil ihr unbelehrbar weiter Scheiße teilt, die ich nicht auf meinem Schirm haben möchte. Selbst wenn ihr hier bei mir im Kaff wohnt und wir uns im wahren Leben oft über den Weg laufen.
(Am Rande: ich bin als praktizierender Atheist den Kirchen für ihre Haltung und ihren Einsatz sehr dankbar. Unterdessen sehe ich aber auch Leute hier bei Facebook, deren Profil aus zwei Dingen besteht: Christlicher Ikonografie und Ausländerhass-Memes. Ich wage zu bezweifeln, dass so jemand auch innerhalb der Kirchengemeinde zu erreichen ist.)

Der Journalist Hasnain Kazim twitterte gestern:

Meine Erfahrung (auch aus anderen Ländern): Zehn bis fünfzehn Prozent unbelehrbare Vollidioten gibt es überall. Wieso sollte Hessen eine Ausnahme sein?

Wie arrogant, was?
Aber verdammt richtig.
Ich glaube nicht, dass man in Vereinen oder sonst wo diese zehn bis fünfzehn Prozent erreicht. Trotzdem mache ich es auch weiterhin. Nicht, weil ich alle davon überzeugen wollte, wie toll die Grünen sind und das alle die wählen sollen. Um Gottes willen.
Nicht jeder AfD-Wähler ist ein Nazi. Aber jeder AfD-Wähler unterstützt eine Partei, die offen faschistische Tendenzen zeigt. Das kann man nicht rausreden mit “ja, aber die da oben und Denkzettel und so”.
Es ist eine Stimme für Faschismus. Punkt.
Und so müde das auch macht — und verdammt müde bin ich … im Sportverein, auf Facebook, auf der Straße … das alles macht so scheißmüde … aber Schweigen ist keine Lösung.
Das tun schon zu viele.

Provinz muss man können

Meine Sympathien lagen immer eher bei Sam als bei Frodo.

Sam, der widerwillig in die weite Welt zog, viel lernte, viel bekämpfte, sich selbst und andere fand, zu Dingen in der Lage war, die er sich nie zugetraut hatte, um dann wieder dorthin zurückzukehren, von wo er gekommen war, aber mit neuem Mut endlich eine Frau ansprach und eine Familie gründete.

(Also exakt wie meine Biografie, haha.)

Frodo wiederum ging nach Mordor, aber hat es nicht so doll verkraftet. Als er dann wieder im Auenland war, wusste er: nix, hier gehöre ich nicht mehr her, ich muss hier weg.

Aber eigentlich wollte ich über Charlotte Roche schreiben. Die hat letztens in der SZ diesen Text hier veröffentlicht und damit viele putzige Reaktionen ausgelöst. Beispielsweise diese hier in taz über die olfaktorischen Probleme von Bambi.

Charlotte Roche wäre gern Sam.

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Liebesgrüße aus der Autor-Midlife-Crisis

eute, die nicht schreiben, würden so etwas wahrscheinlich als einen Writer’s Block bezeichnen, aber ich mache diesen Job lange genug, um zu wissen, dass das bei mir keiner ist.

Ein Writer’s Block gilt als die Angst vor der leeren Seite. Als Sinnbild des von Selbstzweifeln erfüllten Künstlers, der daran vergeht, seine Vision nicht auf das Papier bannen zu können.

Das ist es bei mir nicht.

Letztes Jahr habe ich vier Romane übersetzt. Aktuell schreibe ich ganz ohne Writer’s oder sonstige Blocks an einem Spiel. Es ist nicht so, dass meine Kreativität versiegt wäre. Nach wie vor schreibe ich komplett wirre Kurzgeschichten oder Blogeinträge wie diesen hier. Ich zweifle nicht an meiner Fähigkeit, Worte in eine bestimmte Reihenfolge zu organisieren, und das wäre auch ziemlich doof, wenn sie abhanden käme, weil ich nicht weiß, wie rum man einen Hammer halten muss.

Mir sind auch nicht die Ideen ausgegangen. Drei oder vier fast leere Dokumente mit Ansätzen von Buchideen finden sich in meinem “Romane”-Ordner.

Aber sobald ich eins davon öffne, stoße ich damit das Tor zum Nihilismus auf.

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2017.

Ich fasse jetzt schon mal zusammen. Nicht, weil ich frühzeitig in Urlaub ginge, im Gegenteil, dank einer Deadline Anfang Januar ist das eher nicht so, also gar nicht.
Und Deadline ist auch mein Stichwort des Jahres, denn ich hatte wenig anderes. Vier Bücher übersetzt, was an sich schon genug gewesen wäre, rein zeitlich, dazu noch ein paar Spieleprojekte. Langweilig wurde es nie, und damit war dieses Jahr das krasse Gegenteil von 2016, diesem Jammertal, in dem es mir allerdings auch nicht langweilig war, denn existenzielle Freiberufler-Panik, wenn nichts passt und alles hakt, ist auch keine Hängematte.
Dass ich dieses Jahr quasi in Vollzeit zum Roman-Übersetzer geworden bin, war so nicht geplant, aber ich plane eh nicht mehr, und ich weiß auch nicht, ob das 2018 so sein wird. Sicher war diese Arbeit meiner fortschreitenden Eremitwerdung eher zuträglich, denn wenn man einfach 500 Seiten vor sich hat, die man in drei Monaten abgeben soll, muss man wenig unter Menschen, und es genügt, wenn man ein Wörterbuch und einen Thesaurus hat. Dass meine Übersetzungen der Krimis von D.M. Pulley sich prima verkaufen, erfreut die Motivation und die Portokasse.
Nach langer Zeit ist dieses Jahr auch endlich ein Buch aus eigener Züchtung erschienen, aber ich kann jetzt nicht behaupten, dass das besonders viele Leute interessiert hätte. (Es ist nach wie vor das bestmögliche Weihnachtsgeschenk, beim Buchhändler des Vertrauens heute noch die magischen Worte „Tiefe Saat“ zu sagen.)
Und bei Spielen tut sich auch mal wieder was. Derzeit (dieser Teil wurde automatisch wegen einer NDA gelöscht) und das wird dann 2018 richtig lustig.
Dies war auch das Jahr, in dem ich mir mehr Dinge aufgeladen habe, als gut ist. Eine meiner besten Entscheidungen war, bei Bündnis90/Die Grünen einzutreten. Dass ich kurz nach „Hallo“ in den Kreisvorstand gezerrt wurde, ist schön; dass ich wegen der ganzen Deadlines zu wenig Zeit hatte, mich so einzubringen, wie ich gern wollte, ist weniger schön. Aber den gewünschten Effekt hat es bei mir erreicht: auch wenn es nur Einbildung ist, habe ich das Gefühl, näher am Geschehen dran zu sein und wenigstens nicht nur diesen Vortex des Internets hineinzubrüllen, sondern auf ganz kleiner Flamme ein wenig aktiv zu tun.
Eigentlich hatte ich letztes Jahr um diese Zeit erklärt, dass ich wieder mehr eigene Sachen schreiben will, und gerade das hat am schlechtesten geklappt. Zwei Kurzgeschichten veröffentlicht und das war’s. Eine Idee für einen neuen Roman habe ich natürlich, die ersten dreißig, vierzig Seiten sind geschrieben, aber ich bin Realist genug, jetzt nicht echte Aufträge abzulehnen, um hingebungsvoll ein Buch zu schreiben, das dann keinen Abnehmer findet. Ich würde nun gern sagen, dass das 2018 anders wird, aber nö: Wer bei mir anklopft und mir Dublonen in die Hand drückt, damit ich mir doofe Witze ausdenke, ist immer willkommen.
Apropos.
Zurück an die Arbeit. Da ist ja noch diese Deadline.
Erholt ihr euch wenigstens gut, kommt schön ins neue Jahr, und vielleicht bin ich 2018 sogar etwas geselliger (haha, als ob).

Eiscafé, sonniger Nachmittag

Ein Paar kommt. Sie ist sichtlich schwanger. In einer Ecke ist noch ein Tisch frei. Beide setzen sich hin.

Doch sie und ihr Babybauch sitzen ungünstig, weil im Luftzug des Nachbartisches, an dem ein Raucher sitzt.

Sie wirft dem Sitznachbarn pikierte Blicke zu, die dieser nicht bemerkt. Dann tuschelt sie mit ihrem Kerl. Der scheint es auch so zu sehen. So geht das nicht. Kann doch nicht sein, dass die schwangere Frau im Zigarettenqualm sitzen muss.

Beide stehen auf und tauschen die Plätze.

Besser.

Und er greift in die Tasche, holt Zigaretten raus und zündet sich eine an.

Geistige Gesundheit in der Ära Trump

Ich bin im Kalten Krieg im Zonenrandgebiet aufgewachsen, in der Nähe von Fulda. Hier vor meiner Haustür im Wald war ein Lager der NATO. Schwer bewacht, nachts hell erleuchtet. Was genau sich dort befand, wusste niemand, aber man munkelte von Atomwaffen. Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter sagte: “Naja, wenn es wirklich mal knallt, sind wir wenigstens gleich weg.”

Das war trotzdem kein ganz so beruhigender Gedanke für einen 12jährigen.

Soweit ich weiß, waren dort in Wirklichkeit keine Atomwaffen eingelagert, nur Versorgungsmaterial für den Fall, dass die Sowjetmächte durch den “Fulda Gap” einfallen, um Richtung Rhein-Main zu ziehen.

Oh, ich weiß.

Den Trump kann man doch nicht mit dem Kalten Krieg vergleichen! Überhaupt sollte man den doch erst mal machen lassen und … Moment, er hat ja jetzt schon ein paar Wochen hinter sich. Waren die ermutigend, dass alles doch nicht so schlimm wird?

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Wie man garantiert erfolgreiche(r) SchriftstellerIn wird!

  1. Schreiben ist reines Talent. Niemand darf einfach schreiben und durch Übung besser werden. Das Gesetz verlangt, dass so etwas “in die Wiege gelegt” worden sein muss. Sie sollten also zunächst Ahnenforschung betreiben, um herauszufinden, welche Ihre Vorfahren Schriftsteller waren oder schrifststellerähnliche Berufe ausgeübt haben (Buchhalter, Hofnarr, Höhlenmaler). Ist das nicht möglich, lassen Sie von einer Genetik-Firma eine DNA-Analyse machen. Weisen Sie darauf hin, dass Sie bereit sind, eine besonders hohe Gebühr bezahlen zu wollen, wenn bei Ihnen das Schriftsteller-Gen gefunden wird. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es dann passieren. Sollte das alles nicht zum gewünschten Ergebnis führen, heuern Sie ein Medium (“Medium”, haha) an, um eine Geistesverwandtschaft mit einer berühmten Schrifstellerin oder einem Schriftsteller Ihrer Wahl feststellen zu lassen. Verhalten Sie sich fortan wie die gefundene Person. (Allerdings dürfen Sie gern älter werden als Novalis oder Keats und wenn Sie es nicht vertragen, dürfen Sie auch weniger trinken als Hemingway.)
  2. Wenn Sie beschlossen, haben, erfolgreiche(r) SchriftstellerIn zu werden, sollten Sie sofort allen Leuten davon erzählen. Beginnen Sie unverzüglich damit, Ihrem direkten Umfeld davon zu berichten, dass Sie ein Buch schreiben wollen. Lassen Sie sich nicht davon verwirren, wenn die Leute fragen, was es denn für ein Buch werden soll. Sie haben beschlossen, es zu schreiben, das ist der wichtigste Schritt. Sie sind jetzt SchriftstellerIn! Das heißt ja nicht, dass Sie wirklich was schreiben müssen.
  3. Legen Sie auch sofort eine Autorenseite bei Facebook an und laden Sie so viele Leute wie möglich ein, diese zu liken. Lassen Sie die Seite nicht einschlafen und posten Sie jeden Tag mindestens drei Sachen (1x einen Sinnspruch, den Sie sich selbst ausdenken, idealerweise als teilbares Bild, 1x Ihren Schreibfortschritt in Prozent, 1x den Wetterbericht).
  4. Wenn Sie keine Katze haben, kaufen Sie eine. SchriftstellerInnen posten Katzenbilder.Wenn Sie keinen Schreibfortschritt verzeichnen können, ist ein Katzenbild eine gängige Alternative. Versuchen Sie, die Kosten für Katzenfutter als Betriebsausgabe von der Steuer abzusetzen.
  5. Lassen Sie ein repräsentatives Autorenfoto machen. Besonders ratsam ist die Denkerpose. Heuern Sie dafür mehrere professionelle Fotografen an. Posten Sie alle Bilder bei Facebook, machen Sie ein Event aus der Abstimmung.
  6. Verwenden Sie viel Sorgfalt auf die Wahl Ihres Schreibgeräts. Es darf Ihrer Kreativität auf keinen Fall im Weg stehen. Sie möchten doch nicht Scheitern, bloß weil Sie den falschen Füller oder die falsche Textverarbeitung benutzen! Finden Sie zunächst heraus, ob Sie analog (per Hand oder mit klassischer Schreibmaschine) oder digital schreiben wollen. Ist Ersteres der Fall, sollten Sie sich nicht von hochnäsigen Verlegern verwirren lassen, die keine handgeschriebenen Manuskripte annehmen wollen. Mit derart unprofessionellen Verlagen sollte ein Genie wie Sie überhaupt nicht zusammenarbeiten. Wenn Sie am Rechner arbeiten wollen, evaluieren Sie ausführlich jede Kreativsoftware, die nicht bei drei auf den Bäumen ist. Außerdem sollten Sie besonders viel Sorgfalt bei der Wahl Ihrer Tastatur walten lassen. Vielleicht kommen Sie nur in den Flow, wenn Sie auf Tasten aus Elfenbein tippen? Finden Sie es heraus.
  7. Als erfolgreiche(r) SchriftstellerIn dürfen Sie sich ruhig den ein oder anderen Spleen erlauben, ja es ist im Sinne des Aufbaus Ihres Namens als Marke sogar ratsam. Sie müssen lange vor der Veröffentlichung Ihres Buches ein scharfes Profil da draußen haben, sonst gehen Sie in der Masse unter. (Überhaupt ein großes Problem, dass nicht nur Naturtalente wie Sie schreiben, sondern dass inzwischen alle möglichen Leute etwas rausbringen. Frechheit!) Legen Sie sich ein extravagantes Hobby, einen unverwechselbaren Kleiderstil und eine Anti-Frisur zu.
  8. Schreiben Sie.
  9. Bekommen Sie eine existenzielle Krise.
  10. Lassen Sie sich höhnisch von Ihrer Katze anschauen.
  11. Geben Sie auf.
  12. Fangen Sie wieder an.
  13. Füttern Sie die Katze.
  14. Schreiben Sie weiter.

Ihr Verbreiter von Hass in sozialen Medien

Ihr nervt.

Da ist dieses Bild, und darauf steht in großen Buchstaben eine hässliche Lüge, die leicht zu durchschauen wäre, wenn man sich die Mühe machen würde, sie zu hinterfragen oder zu schauen, was für Leute dieses Bildchen gemacht haben.

Doch das tut ihr nicht.

Ihr klickt sofort auf “Teilen”.

Und die Likes hämmern rein, weil ihr mit Leuten befreundet seid, die die Lüge genauso blind abkaufen, die ihre Vorurteile bestätigt sehen. Die teilen das auch fröhlich weiter.

Dann weist vielleicht jemand darauf hin, dass das Bild aus einer dunkelbraunen Ecke stammt, aber statt dass ihr es löscht meint ihr: Hey, es geht doch nur um die Aussage AN SICH! Mir doch egal, WER das da gesagt hat. Selbst wenn man darauf hinweist, dass es eine Lüge ist, dumpfe, hohle Propaganda — es kümmert euch nicht. Ihr lasst es stehen. Ihr sammelt mit dem Mist weitere Likes.

Bäm — blockiert.

Schock: Wie intolerant kann man denn sein? Man muss doch auch jenseits der Filterbubble leben und andere Meinungen respektieren! Und überhaupt, Dialog und so! Man muss doch —

Oh, noch ein Bild. Da hat aber jemand etwas Schreckliches getan! Es wird immer schlimmer in der Welt, alles geht abwärts!

“Teilen”.

Allgemeine Löffler-Bedingungen (ALB)

Wenn wir uns irgendwo in sozialen Netzwerken verknüpfen, erkennst du die folgenden Bedingungen an:

§ 1 Geltungsbereich

Die folgenden Allgemeinen Löfflerbedingungen (ALB) gelten für alle virtuellen Interaktionen zwischen dir und mir. Sie beschreiben die Bedingungen, unter denen wir uns in den üblichen sozialen Medien vernetzen können.

§ 2 Vernetzungsabschluss

  1. Durch das Klicken von “Freund hinzufügen” oder ähnlichen Buttons (je nach Seite) schließen wir eine “Freundschaft”, die dadurch gekennzeichnet ist, das wir auf einer Internetseite vernetzt sind.
  2. Eine echte Freundschaft ist was anderes.
  3. Nur weil wir im wahren Leben gut miteinander auskommen, muss das nicht bedeuten, dass das auch im Netz funktioniert. Oder umgekehrt.

§ 3 Lieferung

  1. Beide Seiten schreiben je nach Lust und Laune etwas auf die Seite, auf der wir vernetzt sind. Auch lustige Medien jeder Art sind erlaubt.
  2. Niemand ist zu einer bestimmt Frequenz verpflichtet.
  3. Fotos vom Nahrung sind zu vermeiden (Ausnahme: Bier).
  4. Auf gegenseitiges virtuelles Gratulieren zum Geburtstag verzichten beide Seiten im stillschweigenden, alles Gute wünschenden Einvernehmen.
  5. Ironie im Netz ist schwierig und führt zu Missverständnissen. Deswegen verpflichten sich beide Seiten, sie regelmäßig einzusetzen.

§ 4 Eigentumsvorbehalt

  1. Bis zur gegenseitigen Akzeptanz von Äußerungen jedweder Art (“Like”) bleibt eine Meinung im Besitz der Person, die sie aufschreibt.
  2. Ein virtuelles Freundschaftsverhältnis heißt nicht, dass man jedes Posting in irgendeiner Form unterstützt oder auch nur toleriert.

§ 5 Widerrufsrecht

  1. Stelle ich fest, dass du mit mir nicht kompatibel bist, weil du Zeug postest, das mir im Hals stecken bleibt (politischer oder religiöser Fanatismus) oder nur belanglosen Kram (Bildchen mit Sinnsprüchen), behalte ich mir vor, dich mindestens auszublenden, vielleicht sogar zu blocken.
  2. Das gleiche Recht hast du natürlich auch.
  3. Wenn wir uns “entfreunden” oder blocken, können wir trotzdem im wahren Leben ganz gut miteinander auskommen.
  4. Unberührt davon bleibt aller Leute Recht, eine andere Meinung zu haben. Aber die darf man im echten und virtuellen Raum scheiße finden und auch so benennen.

§ 6 Haftung

  1. Jede/r ist selbst für das Zeug verantwortlich, das sie/er schreibt. Basta.
  2. Für Schäden jedweder Art durch meine Wortspiele wird keine Haftung übernommen.

§ 7 Schlussbestimmungen

  1. Gewichtsstandort ist meine Waage.
  2. Bunt ist das Dasein und granatenstark.