Bitte stören Sie nicht unsere Flinten

Disclaimer: Ich verstehe nichts von Jagd, von Wild, von Forst. Obwohl ich direkt am Wald lebe, den ich gern zum Joggen nutze und darin allem Getier aus dem Weg gehe.

Jäger verwirren mich. Letztens lag im Supermarkt eine Jagdzeitung, auf deren Cover eine Wildsau zu sehen war, die gerade von einer Kugel getroffen wird. In anderen Kreisen wäre so was ein tolles Motiv gegen die Verwendung von Waffen, aber in Jagdkreisen ist das wohl, nunja, bewundernswerter hunt porn. Mein Verständnis hält sich bei so etwas in Grenzen. Und ich bin jemand, der gern Egoshooter spielt und deswegen auch damit leben muss, dass andere Leute wenig Verständnis mir gegenüber haben. Allerdings funktioniert bei mir und so ziemlich allen anderen Leuten, die gern Ballerspiele zocken, die Trennung zwischen Realität und Fiktion sehr gut.

Bei Jägern offenbar nicht, wie mir gerade ein Brief eindrucksvoll beweist.

Der Brief, der an jeden Haushalt im Ort ging, weist darauf hin, dass nun über 6 Monate lang die Bundesstraße in den Nachbarort gesperrt ist, weil die komplett neu angelegt wird. Die Absender des Briefes – zwei Jagdpächter – mutmaßen, dass nun viele Leute einen Schleichweg in den Nachbarort nehmen werden – einen Feldweg, der ein Waldstück tangiert, und der eigentlich nur für Land- und Forstwirtschaft freigegeben ist. Im Brief steht etwas, dass das Wild wegen der “Dauerbeunruhigung” neu gepflanzte Triebe zerbeißen wird und erst nachts auf die Wiesen zieht. Da befürchten die Jagdpächter, dass sie ihrem Auftrag, dem “Verbißschutz” (sic!), nicht in vollem Umfang nachkommen können.

Für mich – und wie gesagt, ich bin völlig frei von Wissen über Forstwirtschaft ist – klingt das nach Bullshit.

Erstens wummern in der Pampa sowieso die Traktoren rum. Den ganzen Tag. Und kaum jemand wird sich diesem hoppeligen Feldweg aussetzen, den Unterboden beschädigen und das Auto einsauen, um ein paar Kilometer zu sparen.

Warum also so ein Aufriss? Und warum regt mich dieser Brief so auf?

Aus zwei Gründen:

Zum einen steht darin der verräterische Satz, nach der Sache mit dem Verbissschutz: “Einmal davon abgesehen, dass die jagdlichen Freuden in keinem Verhältnis mehr zum gezahlten Pachtpreis stünden.”

Die jagdlichen Freuden.

Siehe oben. Sau in vollem Lauf und so. Ist ja auch schlimm, wenn man Pacht zahlt und dann keinen Gegenwert bekommt, in Form von Viechern, die man abschießen kann.

Zum anderen ticken diese Herren Jagdpächter ein klein wenig anders als normale Menschen, denn wie lässt sich sonst erklären, dass sie ihren Aufruf, wir Einheimischen mögen bitte die Tiere in Frieden lassen, damit sie auf diese ballern können, mit diesem Foto garnieren?

Nein, ich verstehe nichts von Forstwirtschaft. Aber noch weniger von Jägern.

Wir, die Rehe von Altenschlirf, wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie nicht durch unseren Wald fahren, damit die Jagdpächter weiter auf uns schießen können! Wegen der Natur!
Danke für Ihr Verständnis!