Vom Ausmisten

Vor vielen Jahren habe ich mir auf einem Ramschtisch zwei Bände einer SF-Trilogie gekauft, für ein paar Euro. Die Reihe hat nie den Status eines Klassikers erreicht, sie ist schon lange nicht mehr in Druck, und nur die verrücktesten Sammler haben sie noch im Regal stehen.

Also Verrückte wie ich.

Wie vermutlich die meisten Irren habe auch ich als Jugendlicher begonnen. Eine lückenlose Sammlung, egal von was — sehr erstrebenswert, immer. Bei Büchern. Bei Filmen. Bei Spielkonsolen. Bei Magazinen.

Bis man das Land der Vernunft verlässt.

Und Bücher auf Ramschtischen kauft, nur um die Sammlung zu vergrößern.

Mich hat jahrelang gewurmt, dass ich den dritten Band dieser Trilogie nicht besitze. Alle Verkaufsstände auf den Cons habe ich danach durchsucht, bis es eines Tages so weit war: endlich konnte ich den fehlenden Band kaufen! Die Lücke füllen! Eine Sammlung vervollständigen!

Dieses Glücksgefühl hat allerdings nicht dazu geführt, dass ich die Bücher tatsächlich gelesen hätte.

Langsam kam ich auch ins Zweifeln, ob die VHS-Kassetten unbedingt aufgehoben werden müssen. Oder die Heft-CDs von GameStar, PC Games und den anderen üblichen Verdächtigen.

Ich begann auszumisten.

Und wie bei so vielen Dingen im Leben: hat man die Hürde im Kopf erst mal genommen, kann man nicht aufhören.

Ich will meine Büchersammlung verkleinern. Und Filmsammlung. Und Spielesammlung.

Nun stelle ich fest, dass man äußerst kreativ werden kann, wenn man vor Hunderten von Artikeln steht, bei denen man eigentlich nur binär entscheiden muss: behalten oder loswerden? Nein, so einfach ist das nicht. Man nimmt etwas in die Hand und bildet folgende Ketten im Kopp:

  • Behalten, weil es wertvoll ist.
  • Behalten, weil es nostalgischen Wert hat.
  • Behalten, weil schön aussieht.
  • Behalten, weil es damals so teuer war.
  • Behalten — aber nur für den Moment, eigentlich müsste es ja weg, aber kann man ja auch nächstes Mal noch machen.
  • Eigentlich behalten, aber ich will das Ding nicht mehr sehen, also loswerden.
  • Eigentlich loswerden, aber ich habe das irrationale Gefühl, dass es irgendwann etwas wert sein könnte.
  • Eigentlich das Buch loswerden, aber die Kollegen / der Kollege ist so nett …
  • Irgendwo verhökern, könnte noch was bringen.
  • Irgendwem schenken, das gehört in gute Hände.
  • Scheiße, was hat mich da geritten, nichts wie in den Müll damit.
  • Huch, das hab ich noch?! (Positiv oder negativ konnotiert, je nachdem, ob es verschollene Bücher oder ein Stapel AOL-CDs sind.)

Und die SF-Trilogie? Ich schwanke noch zwischen “Behalten — Nostalgie” und “Was hat mich da geritten” …

Posted in Bücher, Games, Leben.

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