Silvester

Bei der Diskussion über Silvester, Köln, Hauptbahnhof, Dom wird viel durcheinander geschmissen, was nicht zusammengehört. Die Folge: jeder kann eine individuelle Interpretation der eigenen, längst existierenden Agenda folgend zusammenklöppeln. Wir brauchen mehr Überwachungskamera gewesen? Diese Nacht beweist es. Die Flüchtlinge sind an allem schuld? Diese Nacht beweist es. Die Frauen sind selber schuld? Diese Nacht beweist es. Wir brauchen mehr Polizei? Diese Nacht beweist es. Eulen sind als Hauptmahlzeit ungeeignet? Diese Nacht beweist es.

Wir müssen uns bei so einem Ereignis vor trügerisch einfachen Erklärungen schützen. Oder, und das will ich hiermit tun, auch eine bieten. Nicht für die konkrete Nacht in Köln, sondern für die Umstände, aus denen so was erwächst.

Das Problem ist Silvester an sich.

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„The Force Awakens“ ist nicht UNSER Film

Und damit meine ich uns alten Säcke.

Wir alle haben eine Geschichte, wie wir in “Star Wars” initiiert wurden, sei es durchs Spielzeug, durch Kinobesuch, durch krisselige VHS-Kassetten. Und wir alle erzählen, wie schlimm die Prequels waren.

Teil 7 ist nicht für uns.

Wir sind die Zielgruppe, wir stecken die Kohle rein, die den Film zum erfolgreichsten aller Zeiten gemacht haben. Weil wir gern in dieses Universum zurückkehren. Aber der Film ist nicht für uns, auch wenn wir ihn vereinnahmen, selbst wenn wir ihn gar nicht mögen.

Es gibt teils absurde Negativkritiken, denen ich nur negative Kritiken geben kann. (Ich empfehle ich diese Antwort von Matty Granger auf eine solche.) Gott, was wird gejammert. Über vermeintliche Plot-Probleme, Dialoge, Figuren … eigentlich alles. Dabei muss man, selbst wenn der Film individuell nicht zünden sollte, einfach anerkennen, unter welchem Erwartungsdruck hier etwas entstanden ist, das sich nicht vor der originalen Trilogie verstecken muss und in dem so viel offensichtliche Liebe und Hingabe steckt. Dies ist kein Ripoff, keine billiges Merchandising.

Jetzt kommt der schönste Punkt: das ist alles strunzegal.

Wir alten Säcke werden entweder jammern, dass das nicht mehr das wahre “Star Wars” ist oder — wie ich — mit Gänsehaut dasitzen.

Entscheidend ist, dass gerade eine neue Generation geprägt wird.

In den nächsten 20 Jahren wird es neue, junge SF-Schreibende und -Filmende geben, die durch einen Kinobesuch im Winter 2015/2016 eine neue Liebe gefunden haben. Sie werden diesen Film mit all seinen vermeintlichen Plotholes verehren, sie werden ihn nostalgisch verbrämen. Einige von ihnen schreiben, zeichnen etwas, das als Fan Fiction durchgeht, aber dann werden sie eigene Stimmen finden und ganz neue Welten erschaffen, auf die ich mich jetzt schon freue.

Nicht in einer weit, weit entfernten Galaxis.

Hier.

“The Force Awakens” ist ihr Film.

From Dusk Til Schweiger

Ich habe nur die ersten 15 Minuten des Til-Schweiger-Doppeltatorts gesehen. Am konkreten Werk kann ich nicht rumkritteln. Und ich würde mich eh nur bei den “Trotteln” einreihen, wie Schweiger sie nennt, und das, obwohl ich auch etwas von der “Craft” verstehe, wenn auch nur in einer Unterdisziplin von dem, was das Universalgenie aus Heuchelheim alles kann: “Filmemacher/Schauspieler/Produzent/Writer/Cutter/Composer”.

15 Minuten Schweigertatort

Sie zeigen mir, warum ich als Zuschauer nie mit Schweiger und dem Tatort jeweils warm geworden bin.

Zunächst Schweiger selbst. Dass er kein Charaktermime ist — geschenkt. Das sind viele bekannte Schauspieler nicht. Ich habe auch kein Problem damit, dass er immer ähnliche knarzige Typen spielt, die er für sich offenbar perfekt findet. Mich nervt, dass seine Vorstellung von Charisma und Ausstrahlung sich offenbar in der gleichen rotzigen Ausstrahlung erschöpft, die er auf der Leinwand und der Facebook-Leinwand gleichermaßen ausstrahlt. Alles angestrengt, alles angespannt, immerzu.

Vergleichen wir ihn mit einem seiner offensichtlichen Vorbilder: Bruce Willis.

“Die Hard” ist die Action, nach der Schweiger strebt, und ich wäre nicht verwundert, wenn er auch in seinem Tatort früher oder später im dreckigen Unterhemd rumsteht. Mit diesem Bild, mit dieser Figur wurde Willis bekannt. Stoisch, hart und mit einem blöden Spruch die Bösen in die Luft jagen.

Aber gleichzeitig hat Willis unter anderem in “12 Monkeys” gezeigt, dass er auch schwache und verängstigte Figuren spielen kann. In “The Whole Nine Yards” oder seinem großartigen Gastauftritt in der Serie “Friends” hat er gekonnt Selbstironie bewiesen. Sogar singen kann er.

DAS ist “Craft”.

Talkshow-Auftritt von Bruce Willis / Talkshow-Auftritt von Til Schweiger.

Klar, Amerika ist Showbiz pur, und es sollte nicht das Ziel sein, eine reine Kopie eines anderen zu werden. Und die deutsche Filmlandschaft wäre ohne Til Schweiger NOCH langweiliger, auch wenn man sich das kaum vorstellen mag. Aber diese Mackerei, dieses Haudrauf mit der Panzerfaust im Film und verbal im echten Leben, ohne Nuancen, ohne Charme, ohne Humor erschöpft sich sehr schnell.

Dann der Tatort als solcher.

Immer, wenn ein Tatort als besonders innovativ gefeiert wird, schaue ich halt mal rein. Dann stelle ich fest, dass es ein innovativer Tatort ist, ja, für Tatort-Zuschauer.

Seit ca. 20 Jahren werden wir mit so unfassbar gutem TV-Material überschwemmt, nur stammt es vornehmlich aus den USA, teils aus GB, teils aus CA. Jedenfalls nicht aus dem heimischen Biotop. Ich habe keinen Grund gefunden, warum ich 90 Minuten für einen Tatort reservieren soll, wenn das auf Kosten von “Unbreakable Kimmy Schmidt”, “The Man in the High Castle”, “Brooklyn 99” oder “Jessica Jones” gehen soll, um nur ein paar ganz aktuelle Beispiele zu nennen. Handwerklich gibt es an den Tatorten kaum etwas auszusetzen, gerade bei dem Schweigertatort, wo mit Christian Alvart ein Könner hinter der Kamera steht.

Aber es interessiert mich einfach nicht, was da passiert.

Tschiller telefoniert während eines Einsatzes mit der Tochter, die bei einem Freund übernachtet und regt sich fürchterlich darüber auf. Über was von diesen beiden Sachen soll ich mich mehr aufregen? Diese konstruierte Doofheit des Telefonats an sich in dieser Situation oder das Vaterbild der 50er Jahre?

Dann steht Helene Fischer mit einer schwarzen Perücke da und darf sich davonstehlen.

Dann sitzen wir in der Polizeiwache, schauen Dias und besprechen etwas über irgendwelche Bösewichter.

Dann wechsle ich zu Season 5 von “The Walking Dead”.

Der Tatort ist so sehr kultisiert (und nicht kultiviert) worden, dass Tatortbashing zu einfach ist. Diese endlose Selbstreferenzialität, diese gewollt skurrilen Ermittler mit ihren Privatproblemen, die Raucherstäbchen mit Lokolkolorit, die in den Verwaltungen der Landessender abgefackelt werden … Der Schweiger-Rundumschlag sollte mich da eigentlich gar nicht ärgern, aber er tut es doch. Selbstbeweihräucherung ist manchmal nötig, um als Kreativer überhaupt weiterzumachen, wenn destruktive Kritik aufschlägt, aber hier wird nur die eigene Einseitigkeit verherrlicht.

„Everspace“!

everspace

Bislang konnte ich mir Kickstarter-Kampagnen mit faszinierter Distanz anschauen. Nun stehe ich selbst dort in einem Beschreibungstext und, tja, blicke etwas genauer hin, wie es läuft.

Das Team von Rockfish Games aus Hamburg entwickelt derzeit „EVERSPACE“, einen „rogue-like 3D space shooter“, bei dem ich an Story und Spielwelt mitmischen darf.

Hier ist der Link zu Kickstarter.

Wer sich weiter über das Spiel informieren möchte:

Website.

Facebook.

Twitter.

Und eine Weiterverteilung der Links – besonders zur Kampagne – ist natürlich besonders willkommen. 🙂

„Aber bei dir läuft’s doch gerade ganz gut.“

Diesen Satz habe ich auf der Gamescom öfter gehört.

Es ist ein trügerischer Satz. Ich muss mich dabei beherrschen, einen philosophischen Monolog zu beginnen, der „gut laufen“ im Bezug auf Außenwahrnehmung und Kontostand setzt und „gerade“ via Relativitätstheorie zu dekonstruieren. Natürlich sind die ganzen Interviews und Lesungen für meine Bücher schuld. Durch diese sieht es phasenweise so aus, als würde ich Millionen von Exemplaren verkaufen (lassen) und total berühmt sein.

Aber nur, wenn ich mal wieder im Radio zu hören bin, heißt das nicht, dass ich gerade überlege, ob ich in Gold oder Immobilien anlegen soll.

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Im Apfelbaum vor meinem Büro hat’s gedrosselt. Als müsste ich noch daran erinnert werden, dass ich im Vogelsberg lebe.

Der Kleine ganz links im Bild sieht aus wie ich nach dem Aufstehen.

„Ausgewählt!“ jetzt auch als Printausgabe

Ganze zwei Jahre, nachdem ich mein kleines E-Book herausgebracht habe, gibt es meine Geschichtensammlung jetzt auch in gedruckter Form.

Und zwar hier.

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Die Printausgabe ist per „Createspace“ gebaut, wird im Print-on-Demand-Verfahren für jede Bestellung einzeln gedruckt und verschickt. Sie kommt also noch fast warm an. Den Preis von 7,99 € halte ich für fair. Meine Gewinnmarge ist dabei klein, aber ich wollte deutlich unter 10 Euro bleiben und sehe diese Ausgabe nur als eine Art Service für diejenigen, die E-Books immer noch hassen (was ich nicht nachvollziehen kann 😉 ).

Die FAQ zum Buch habe ich entsprechend aktualisiert.

Ach, und mein langjähriges Projekt „Politthriller“ ist gerade im Zustand „Satz und Covergestaltung“. Ja, er ist fertig, fertig, fertig. Ich hoffe, ich kann bald etwas zum Erscheinungstermin sagen.

Warum ich „Shenmue“ trotzdem nicht kickstarte

Wanna play a game of Lucky Hit?

Meine Dreamcast verkaufe ich schon deswegen nicht, weil mich sicher irgendwann der Wunsch überkommen wird, noch mal „Shenmue“ zu spielen. Klar, könnte auch die erste Xbox rauskramen, aber für die gibt es nur Teil 2 (und Teil 1 als DVD-Zusammenfassung). Das Spiel hat mich geflasht, wie es bei mir nicht mehr so oft vorkommt. Gut, ist auch schon 15 Jahre her. Und der Cliffhanger am Ende von Teil 2 war fies genug, um Jahr für Jahr auf eine Fortsetzung zu hoffen.

shenmue

Have you seen any men wearing black suits?

Verglichen mit einem GTA V ist die Welt von Shenmue antik und dröge. Mit einem Hubschrauber durch Los Santos zu fliegen ist etwas beeindruckender als Sonic-Figuren in einem virtuellen Kaugummiautomaten zu kaufen. Aber Shenmue hat einen eigenen, meditativen Reiz. Viele Fans von damals sind heute erwachsen und stürzen sich auf den Kickstarter.

I should go home. Ine-san will be worried about me.

Ich hoffe, die „Quick Time Events“ werden weniger. Oder durch etwas ersetzt, was mehr Spaß macht. Und ich möchte gern auch nicht mehr 20 Kisten mit dem Gabelstabler transportieren müssen. Aber ich kann es kaum erwarten, in diese Welt zurückzukehren und zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht, die an dem Tag begann, als es schneite und Ryo nach Hause eilte …

Get up, I’ll allow you to die like a warrior.

Warum mache ich trotzdem keine Kohle für den Kickstarter locker? Das hat einige Gründe:

  • Shenmue galt lange als teuerstes Spiel aller Zeiten (dürfte inzwischen nicht mehr stimmen). Es hat immer einen Beigeschmack, wenn AAA-Produktionen diesen Weg der Finanzierung wählen. Als würde Michael Bay einen Kickstarter machen, nachdem er einen Flop hatte. Zumal Sony mit im Boot ist. Wenn ich kickstarte (oder indiegogoe oder startnexte), ist da immer diese kuschelige Decke des Idealismus dabei. Die fehlt hier.
  • Die gesamte Saga soll 16 Kapitel umfassen. Teil 1 war Kapitel 1, Teil 2 war Kapitel 2-4. Nein, unwahrscheinlich, dass Teil 3 das Ende ist. Zumal die Euphorie, die jetzt herrscht kaum jemanden an den Hebeln der Macht verleiten wird, die Geschichte mit Teil 3 zu einem runden Ende zu bringen. Heißt, es gibt dann 2018 oder so den nächsten Kickstarter?
  • Wenn Sega auch nur halbwegs mitdenkt, bringen sie Teil 1 und 2 neu raus. Muss nicht mal als „Remastered“ sein. Nennt es halt „Classic Edition“.
  • $29 nur für den Download (nur für eine Plattform zudem?) scheint mir zu hoch gegriffen.
  • Ich bin nicht verrückt genug, einen dreistelligen Betrag in Sammlereditionen zu stecken.

Kurzum, ich hoffe auf eine „Trilogie-Ausgabe“, die die beiden Klassiker und den neuen dritten Teil umfasst. PS4 oder PC ist mir dabei egal. Dafür mache ich dann gerne das Geld locker.

A pitch black night unfolds with the morning star as its only light.

(Aber hey, wenn Teil 3 auf Englisch entwickelt wird und jemand für die deutschen Untertitel gesucht wird … ich wüsste da jemanden!)

Things I Learned From Sir Terry Pratchett And His Marvelous Worlds (A Necessary List)

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