Ich habe zum ersten Mal „Twin Peaks“ gesehen

Und jetzt will ich mit einem Baumstamm rumlaufen

Als “Twin Peaks” damals ausgestrahlt wurde, ging es völlig an mir vorbei. Natürlich bekam ich die Eckdaten mit: David Lynch, Mord in einer Kleinstadt in den Bergen, surreal, Kult. Vielleicht habe ich auch in eine Folge reingeschaut, aber nicht viel verstanden und es deswegen sein gelassen. Inzwischen weiß ich, dass man, wenn man alle Folgen sieht, danach auch nicht viel mehr versteht.

Bei amazon video kann man beide Staffeln abrufen, als prime-Kunde sogar ohne Aufpreis, also habe ich mir alles mit 25 Jahren Verspätung angeschaut.

Es war hart.

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Der aufbegehrende Kanalarbeiter

Ein Kopfschüttler

“Dir komm ich gleich hoch!”, rief der stinkige Kanalarbeiter durch den Abfluss der Küchenspüle herauf.

“Aber stimmt doch!”, erwiderte Hans. “Man kann sich doch heutzutage nicht mehr auf Hegel berufen!”

“Ja, auf wen denn sonst?“, hallte es aus dem Ausguss. “Soll man sich etwa ewig an Kant halten? Da muss man doch rauswachsen!”

“Aber Hegel die gesamte Wirklichkeit systemisch gedeutet!” Empört wedelte Hans mit dem Spüllappen, als könnte der Kanalarbeiter es sehen.

“Der hat die Grundlage für den wissenschaftlichen Sozialismus gelegt, der Kerl!”

“Er kann doch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was nach seinem Tod geschieht!”

“Und diese Tränensäcke erst! So läuft doch kein ernstzunehmender Philosoph rum!”

“Das geht mir jetzt zu sehr ad hominem.” Hans steckte den Stopfen in den Ausguss, ließ Wasser einlaufen und begann abzuspülen.

Studentenleben

Ihr wisst ja gar nicht, wie gut ihr’s habt!

Mein Studium habe ich 1999 abgeschlossen und damit auch das Studentenleben. Das ist 17 Jahre her.

Ich habe in einem anderen Jahrtausend studiert!

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Warum ich „Scrivener“ (meistens) nicht mehr benutze

Scrivener habe ich entdeckt, als es Beta-Version 0.8 war. Es war eine kleine Offenbarung: ein komplettes Schreibstudio, eine vielseitige Textverarbeitung, viele Features, ein Monster, ein Traum. Es war viele Jahre mein Tool der Wahl für alles. Version 1 gab es nur für den Mac, und viele Schreibende wechselten nur wegen Scrivener zu Apple. Inzwischen gibt es Version 2 auch für Windows und sogar eine inoffizielle Linux-Portierung.

Und ich benutze es nur noch fürs Schreiben von Drehbüchern.

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Handwerkszeug

Wenn ich einen Elektromarkt gehe, kann ich nicht anders, als an allen Tastaturen einen Nonsens-Text zu schreiben.

Wie fühlt sich die Tastatur an? Zu weich? Zu hart? Wie klingt sie? Wie groß sind die Tasten? Wie fühlt sich das Plastik an? Kann ich mir vorstellen, mit dem Ding hunderttausende Wörter zu schreiben oder würde ich nach kurzer Zeit eine neue herbeiwünschen?

So richtig zufrieden war ich bislang mit keinem Modell, und gleichzeitig bin ich zu geizig, einen dreistelligen Betrag in eine Tastatur zu investieren, denn vielleicht macht es in der Praxis kaum einen Unterschied zu dem 15-Euro-Hobel. Gerne würde ich eine dieser mechanischen Tastaturen über einen längeren Zeitraum in der Praxis testen, aber zum einen steige ich bei den Switches in allen Farben des Regenbogens nicht durch und zum anderen befürchte ich, dass ich nach drei Tagen die Tastatur anbrülle: “JETZT HALT MAL DIE SCHNAUZE!”

Die erste exzessiv genutzte Tastatur war der Amiga 500. Viel zu weich, kaum ein fühlbarer Tastenanschlag. Aber damit hat man sich arrangiert, denn die Kiste war insgesamt einem Atari ST bekanntermaßen um Längen überlegen. In den 90ern hatte ich so eine Standard-Cherry-Tastatur, wie man sie mit einem neuen PC nachgeschmissen bekommt. Ein charakterloses Arbeitstier. Dann folgte die Tastatur des originalen iMac, die zwar nicht ganz so ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war wie die Puck-Maus, aber ich mochte sie nicht, weil mir die wuchtigen Tasten zu nah beieinander lagen. Das spätere weiße “Apple Keyboard” war in jeder Hinsicht besser, aber mir zu steil abgeschrägt und nicht verstellbar.

Notebook-Tastaturen sind ein Thema für sich. Ich verabscheue diese flachen Chiclet-Tastaturen, aber muss mich mit ihnen arrangieren. Vielleicht das beste Tippgefühl aller Zeiten hatte ich auf dem gebrauchten PowerBook 170, die Lenovo AccuType-Tastatur kommt mir aber auch entgegen

Und was benutze ich aktuell stationär? Eine Gaming-Tastatur für 30 Euro. Nicht wegen des Gamings, sondern erstens weil sie beleuchtet ist, zweitens ein paar Extra-Tasten bietet, drittens weil ein Rezensent schrieb, sie fühle sich wie eine alte Amiga-Tastatur an. Und das stimmt.

Back to the roots.

Marathon auf tönernen Füßen

Ein Kopfschüttler

Als der Golem in die Startaufstellung ging, machten die anderen Läufer ihm Platz und hielten auch noch Abstand, als er den Sitz seiner Startnummer auf der tönernen Brust kontrollierte (die Stecknadeln waren fast abgebrochen, als er sie in den Ton gerammt hatte, aber nun saßen sie fest). Die anderen Läufer schienen sich auszumalen, zu welchen Schwingern seine riesigen Arme ausholen würden, wenn er losrannte. Der Golem ignorierte die anderen. Er würde sein eigenes Rennen laufen, der Zeittabelle folgen. Die Zahlen hatte er in seinen Arm geritzt. Langsam anfangen, sagte er sich, vielleicht die zweite Hälfte des Marathons sogar etwas schneller als die erste laufen.

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Unfreier Autor

Seit ich freier Autor bin, habe ich kaum noch Zeit zum Schreiben.

Denn ich schreibe ja nicht nach Lust und Laune, sondern um davon halbwegs zu leben. Heißt, ich dienstleiste den größten Teil meiner Zeit, und das bedeutet, dass ich so unangenehme Dinge wie regelmäßige Arbeitszeiten schaffen muss, statt auf Musenbelästigung zu warten. Dazu kommt Buchhaltung und dieses Alltagsdings.

Plötzlich merkt man, dass man eine Woche rum ist, in der man gar nicht dazu gekommen ist, an eigenen Projekten zu arbeiten.

Wie bei Angestellten.

Damit sich das ändert, müsste ich meinen Beruf zum Hobby machen.

Komisch.

Silvester

Bei der Diskussion über Silvester, Köln, Hauptbahnhof, Dom wird viel durcheinander geschmissen, was nicht zusammengehört. Die Folge: jeder kann eine individuelle Interpretation der eigenen, längst existierenden Agenda folgend zusammenklöppeln. Wir brauchen mehr Überwachungskamera gewesen? Diese Nacht beweist es. Die Flüchtlinge sind an allem schuld? Diese Nacht beweist es. Die Frauen sind selber schuld? Diese Nacht beweist es. Wir brauchen mehr Polizei? Diese Nacht beweist es. Eulen sind als Hauptmahlzeit ungeeignet? Diese Nacht beweist es.

Wir müssen uns bei so einem Ereignis vor trügerisch einfachen Erklärungen schützen. Oder, und das will ich hiermit tun, auch eine bieten. Nicht für die konkrete Nacht in Köln, sondern für die Umstände, aus denen so was erwächst.

Das Problem ist Silvester an sich.

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