Was das schönste an „Siri“ ist?

Es wird einen neuen Plattformkrieg geben! Denn natürlich wird Google die “Voice Actions” von Android verbessern, und Microsoft wird bei Windows Phone auch so was bringen. Und dann geht der Kampf los. Großartig!

Warum mich das so freut? Weil es um TEXT geht. Zum einen wird das Smartphone zum funktionierenden Diktiergerät (ich muss aktuell regelmäßig 2h Auto rumbringen, dass ich schon ernsthaft an die Anschaffung von was denke), zum anderen werden da Erinnerungen wach, als die Nutzerschaft zuletzt gespalten war, wer die bessere, schönere, originellere Texterkennung hatte.

“Natürlich Infocom!”

“Nein, der Magnetic-Scrolls-Parser war viel besser!”

Buchmesse. Happening. Donnerstag

Eigentlich wollte ich dieses Jahr gar nicht zur Frankfurter Buchmesse, aber nun nehme ich doch an einem Event teil, das inzwischen auch offiziell angekündigt ist. Hier der Text dazu:

Collective Storytelling

Open Space (Agora)
Mittwoch, 12. Oktober, 15.30 – 17.00 Uhr
Mit: Denis Scheck, Jan Peter Bremer
Donnerstag, 13. Oktober, 14 – 15.30 Uhr
Mit: Martin Ganteföhr, Falko Löffler
Freitag, 14. Oktober, 14 – 15.30 Uhr
Mit: Georg Holzach, Anthony McCarten
Samstag, 15. Oktober, 16 – 17.30 Uhr 
Mit: Ernest Wichner, Alban Nikolai Herbst
Sonntag, 16. Oktober, 14 – 15.30 Uhr 
Mit: Uta Schmidt, Nhoah
In fünf Live-Sessions treten an fünf Tagen jeweils 90 Minuten Autoren auf und erzählen auf ihre individuelle Art eine Storyline weiter. Inhaltlich wird es schwerlich einen linearen Erzählstrang mit gewohnter Struktur geben, formal auf keine Fälle. Es gibt nur eine Vorgabe für die Autoren: Ihre Episode soll anschlussfähig, also „weitererzählbar“ bleiben – der letzte macht dann das Licht aus.

Klingt das alles, als würde es sehr seltsam werden? Das will ich hoffen. 🙂

Ich habe in einem Supermarkt im Vogelsberg Larry Laffer wiedergefunden!

Und ewig ruft Wetzlar (auch 2012)

CALL FOR PAPERS


Die Wetz­larer Tage der Phanta­s­tik widmen sich wechselnden Themen aus den phantastischen Literaturgenres. Ziel der Tagungen ist es insbesondere, den Bereich Literatur interdisziplinär zu verknüpfen und gleichzeitig aufzuzeigen, wie vielfältig sich Phan­tastik darstellt und in welchen literarischen Epochen sie sich wiederfindet.

Die kommenden 

32. Wetz­la­rer Tage der Phan­ta­stik
vom 6. bis 9. September 2012

werden sich dem Thema

Phantastische Wesen

widmen. Die phantastische Literatur zeichnet sich nicht nur durch ihre Szenerien, sondern vor allem durch eine schier unerschöpfliche Vielfalt an phantasti­schen Wesen aus. Das beginnt bereits in den Märchen und Mythen mit Zwergen, Riesen, Hexen, Feen, Nixen, Sirenen, sprechenden Tieren, mit Fabeltieren wie Einhörnern, Drachen, Gargoyles, mit Mischwesen wie Zentauren und Sphinxen, mit Wandlungswesen wie Werwölfen und Vampiren, das zeigt die Fantasy mit Halb­lingen, Elfen (Elben, Alben), Trollen und Orks, der Horror mit Ge­spenstern, Dämonen, Ghouls und vielerlei Halb-Toten, Ganz-Toten und Unto­ten, die Phantastik mit dem Golem, dem Ewigen Juden, dem Fliegenden Holländer, mit Statuen, Puppen und lebendig gewordenen Plüschtieren sowie schließlich die Scien­ce Fiction mit Aliens jeglicher Kör­perlichkeit und Nicht-Kör­per­lichkeit und gezüchteten und ver­formten Menschen und menschenähnlichen Wesen bis hin zu technologischen Existenzen wie Robotern, Androiden, Cyborgs und zu virtuellen Wesen – wobei diese Auflistung bei weitem nicht abgeschlossen ist.

Das Symposion möchte einen Einblick in die Bandbreite der phantastischen Biologie und ihrer Evolution geben, Fragen der Bedeutungswandlung von Wesen nachgehen (warum haben Monster und Drachen und zuletzt sogar Vampire ihre Schrecken verloren?) und die Probleme der Kohabitation von Ethnien in der phantastischen Literatur erörtern. 

Das alles soll am Beispiel der aktuellen deutschsprachigen Autoren des 21. Jahrhunderts behandelt werden: Wie setzen sie alte Mythen neu um, wie fabulieren sie neue Mythen, wie erzählen sie von phantastischen Wesen in einer modernen, aufgeklärten Welt.

Interessierte Referenten, die im Rahmen dieser Thematik einen Vortrag halten wollen, werden ge­beten, bis Mitte Dezember 2011 an die Adresse der Phantasti­schen Bibliothek Wetzlar mail ÄT phantastik.eu ein Ex­posé im Umfang einer halben Sei­te einzureichen, außerdem kurz­gefasst ih­re biographischen und beruflichen Da­ten anzuhängen.

Kurzgeschichte: „Glasseele“

Heute beginnen die “Tage der Phantastik” der Phantastischen Bibliothek Wetzlar. Dazu erscheint eine Sammlung mit 22 Kürzestgeschichten, die eines gemeinsam haben (mussten) – den Satz “Ihr Haar zersprang wie blaues Glas” (auch der Titel der Sammlung). Das hier ist mein Beitrag.

GLASSEELE

Frahill hasste den Morgen. 

Kaum war er erwacht, brach das Echo der Lebewesen, die er in der Nacht zuvor erschaffen hatte, wie eine Flutwelle über ihn herein. Sie durchdrangen seinen Geist, waren noch immer ein Teil von ihm. Nur langsam wurden sie sich ihrer Körper bewusst, begannen ihren Marsch durch die Wüste weg von Frahills Behausung. Mit jedem Schritt löste sich ihr neu geformter Geist von seinem. Jedes Wesen, das auf zwei Beinen wankte, auf vier Beinen schlurfte oder sich zusammenzog und wieder ausdehnte, ging in eine Welt hinaus, die ihm fremd war. Wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hatte und alle Lebewesen hinter dem gleißenden Horizont verschwunden waren, umarmte Frahill erleichtert die zurückkehrende Einsamkeit. Halb träumend verbrachte er die Hitze des Nachmittags in seinem Verschlag. Dann kehrte dir Nacht zurück und er musste wieder formen.

Sein Dasein näherte sich dem Ende. Er wusste nicht, wie viele Nächte er noch Lebewesen kreieren konnte. Seine Kräfte schwanden. Jedes von ihnen, das in die Ferne ging, nahm einen Teil von ihm mit. Viel Kraft war nicht mehr übrig.

Er hatte versucht, weniger von ihnen zu erschaffen, um seine Existenz zu verlängern. In einer Nacht hatte er bis zur Mitternacht kein Wesen geformt, aber dann hatte ein Zittern eingesetzt. Frahill konnte kaum noch atmen. Es war, als rebellierte sein Körper dagegen. Innerhalb einer Stunde schuf er fünfzig Wesen, setzte sie vor die Tür seiner Behausung, fiel in tiefen Schlummer.

Auch hatte er versucht, die Wüste zu erkunden, doch am Tag war er zu schwach und die Hitze zu groß. Es war ihm nicht gelungen, auch nur aus Sichtweite seiner Hütte zu gehen. Dann war er mit letzter Kraft zurückgekehrt.

Frahill wusste nicht, wie lange er schon in der Wüste lebte oder wie er hierher gekommen war. 1.000 Nächte? Oder 10.000? Er hatte nie gezählt. War er der einzige Bewohner dieser Wüste oder gab es andere? War sein Schaffen eine Fähigkeit oder ein Fluch? Jenseits der Dünen mochte es eine Antwort geben – auch darauf, warum er seinen Namen kannte und warum sein Körper weder Hunger noch Durst verspürte. Doch Frahill würde in der Zeit, die ihm noch blieb, keine Antworten erhalten.

Eines Abends war er sich gewiss, dass dies seine letzte Nacht war. Seine Kraft war fast erschöpft. Beim Gedanken, die Sonne nie wieder einen Sonnenaufgang zu erblicken, fühlte er sich nicht traurig. Er hatte seine Pflicht erfüllt. Es war Zeit, für eine letzte Kreation.

Danach versank er im Schlaf.

Als wäre es nur ein Blinzeln gewesen, stach die Morgensonne gegen seine Augenlider. Vorsichtig öffnete Frahill seine Augen und sah, was er erschaffen hatte.

Es war das schönste Lebewesen, das er je gesehen hatte.

Sie stand vornübergebeugt bei seinem Lager und lächelte.

Um diese Zeit hätte sie längst in der Wüste sein müssen. Was tat sie noch hier?

Frahill hatte seit einer Ewigkeit nicht mehr gesprochen, und im ersten Augenblick glaubte er, es verlernt zu haben. Er schluckte, bekam nur ein Krächzen heraus.

Sie stellte sich auf, ihr Lächeln verblasste. “Du bist frei”, sagte sie leise. Ihre Gesichtszüge erstarrten. Sie schien die Luft anzuhalten. Ihr Haar zersprang wie blaues Glas. Dann geschah das gleiche mit ihrem Körper. Sie zersplitterte. Kristallstaub erfüllte die Behausung. Entsetzt stolperte Frahill nach draußen.

Er stieß mit dem Mann zusammen, der aus der Wüste gekommen war.

Frahill wich einen Schritt zurück, kniff die Augen im Licht der Morgensonne zusammen. Der Mann hielt ihm einen Beutel hin, den Frahill verdutzt entgegennahm. Der Mann schien noch etwas sagen zu wollen – etwas, das ihn mit Trauer erfüllte. Frahill sah es in seinen Augen. Doch der Mann schwieg, ging an ihm vorüber in die Behausung. Dort sank er auf die Knie und aß den Kristallstaub. Als er fertig war, schleppte er sich zum Lager und schlief augenblicklich ein.

Im Beutel des Mannes befand sich Nahrung und ein halbvoller Wasserschlauch. Frahill fühlte Hunger und Durst … und die Erinnerung, wer er war.

Dann brach er auf. Er wusste wieder, was hinter den Dünen lag.

Sein Leben.

© 2011 Falko Löffler

Köln denkt mit – und importiert Löffler

Wenn ich mich an einem Intelligenztest wie diesem hier versuche, läuft das immer nach dem gleichen Schema ab: Die ersten paar Fragen beantworte ich mit der linken Hirnhälfte, klopfe mir innerlich auf die Schulter, halte mich für ein bislang unentdecktes Genie. Irgendwann – im verlinkten Test so ungefähr bei den Fragen 12 bis 14 – fange ich an zu glauben, dass die Fragen gar nicht beantwortet werden können. Die Striche scheinen mir absolut beliebig zu sein. Ich beschuldige den Monitor des Betrugs, schließe irgendwann wutentbrannt das Fenster.

Schön, dass die Kölner Abteilung des Hochbegabten-Vereins “Mensa” sich auch Leuten öffnet, die mit Intelligenz nichts am Hut haben – und sie sogar zu einem Vortrag einladen. Danke dafür! Am Samstag, 8. Oktober werde ich am “Tag der Intelligenz” den Vortrag halten:

Pacman oder Caveman? Skurrile Ausgrabungen auf Festplatten

Ich werde darin einen ganz neuen Blick auf ganz alte Computerspiele werfen. Gewaltiges Rahmenprogramm gibt’s drumrum und viele andere Redner mit mindestens einem Doktortitel oder Weltmeistertiteln im Kopfrechnen – und interessanten Vorträgen. Eintritt ist frei, das Ganze beginnt um 10 Uhr im Hörsaalgebäude der Uni Köln. Mein Schnellvortrag – die sogenannte “Speedline” – ist um 16 Uhr, der eigentliche Vortrag dann um 17 Uhr.