Ich habe zum ersten Mal „Twin Peaks“ gesehen

Und jetzt will ich mit einem Baumstamm rumlaufen

Als “Twin Peaks” damals ausgestrahlt wurde, ging es völlig an mir vorbei. Natürlich bekam ich die Eckdaten mit: David Lynch, Mord in einer Kleinstadt in den Bergen, surreal, Kult. Vielleicht habe ich auch in eine Folge reingeschaut, aber nicht viel verstanden und es deswegen sein gelassen. Inzwischen weiß ich, dass man, wenn man alle Folgen sieht, danach auch nicht viel mehr versteht.

Bei amazon video kann man beide Staffeln abrufen, als prime-Kunde sogar ohne Aufpreis, also habe ich mir alles mit 25 Jahren Verspätung angeschaut.

Es war hart.

Diese Sichtung habe ich auf über ein Jahr gestreckt. Es gab Phasen, in denen ich viele Folgen schnell hintereinander geschaut habe, dann wieder Monate, in denen ich nicht ran konnte. Als ich damit anfing, drehten sich mein Gedanken um Oberflächlichkeiten:

Woah, diese Frisuren.

Ich habe die späten 80er und frühen 90er erlebt und weiß: Ja, es sind tatsächlich Menschen so rumgelaufen.

Woah, alle rauchen dauernd, sogar in Restaurants.

Unglaublich. Und keiner stört sich daran!

Wer ist das jetzt noch mal?

Hölle, sind das viele Figuren, die schon am Anfang gleichwertig eingeführt werden. Klare Hauptfiguren oder Handlungsstränge? Wir müssen weiterfahren, hier ist Eulenland.

Ich habe länger gebraucht, um mich einzugrooven, auch weil ich zum Werk von Lynch keinen großen Draht habe. Aber mehr und mehr kam ich in diesen Sog, der erklärt, warum die Serie heute noch so viele Fans hat.

Mich interessierte die Logik nicht mehr von dem, was da geschah. Ich brauchte keine Handlung mehr, ich wollte nur noch miterleben, was diese seltsamen Leute wie in Trance tun, begleitet von dieser wabernden Musik. Die großartigen Serien der letzten 15 Jahre leben davon, dass man wissen will, wie es weitergeht. Bei Twin Peaks geht kaum etwas weiter, alles fließt, alles ist endlos, alles ist im Nebel, alles ist egal.

Der erste große Flash war das Ende von Staffel 1. Die letzten vier oder fünf Folgen habe ich quasi am Stück geschaut. Dann war die erste Folge von Staffel 2 DERART schwer verdaulich (und das meine ich mit dem größtmöglichen Respekt), dass ich eine Auszeit nehmen musste. Alle, die die Serie kennen, wissen, dass — ohne zu spoilern — schon gegen Mitte von Staffel 2 ein Handlungsstrang endet. So um den Dreh rum war ich wieder voll drin. Aber dann verlor ich fast komplett die Lust daran, ignorierte die Serie monatelang. Nach dem Durchhänger wurde es wieder interessant, und es ist beeindruckend, wie viele Teile der Geschichte nach dem Ende der Serie einfach in der Luft hängen bleiben. Muss noch recherchieren, ob damals eine dritte Staffel geplant war oder ob dieses Ende geplant war.

Bereue ich die vielen Stunden? Kein Stück. Irres Erlebnis, gibt mir persönlich mehr als die Filme von Lynch. Exzellenter Cast, durch die Bank. Und diese Gastauftritte. Billy Zane und Heather Graham sind für die zweite Hälfte von Staffel 2 großartige Ergänzungen. Aber die größte Überraschung für mich war, als David Duchovny im Vorspann erschien. Nein, ich wusste GAR NICHTS davon und dachte: ah, wahrscheinlich spielt er hier auch einen FBI-Agenten, einen Kollegen von Cooper, und mit diesem Auftritt hat er den Grundstein für seine Rolle als Mulder gelegt. Nun, ich hatte nur mit dem ersten Teil der Vermutung recht …

Ich weiß nicht, ob ich die ganze Serie noch mal sehen wollte. Vielleicht reicht ein Mal, vielleicht möchte ich irgendwann noch einmal in diese Atmosphäre eintauchen. Zumindest bin ich jetzt sehr gespannt auf die Fortsetzung. Und den Prequel-Film habe ich noch vor mir.

Darauf einen verdammt guten Kaffee.

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