Ich habe zum ersten Mal „Star Trek: Voyager“ gesehen

Gut, das ist gelogen.

Zumindest ein bisschen.

Anders als “Twin Peaks”, das damals an mir völlig vorbeigegangen ist, habe ich von “Voyager” den größten Teil der Staffeln 1 bis 3 gesehen. Damals noch in diesem linearen Fernsehen. Wir hatten damals ja nichts anderes. Als “Seven of Nine” an Bord kam, bin ich ausgestiegen. Nicht wegen Seven, das war nur Zufall. Ich musste ein Studium abschließen und das Angestelltenleben beginnen, da war mir relativ hulle, was die Kazon sich schon wieder in die Haare schmieren.

Anders als “Deep Space Nine”, das ich von Anfang bis Ende verehrt habe (“TNG” und “TOS” sowieso), hatte “Voyager” bei mir auch nie richtig gezündet. Mein Gesamteindruck ist nach Sichtung aller sieben Staffeln auf prime video fällt positiver aus als die Erinnerung, aber, tja, im Vergleich zu DS9 war’s in meinen Augen für Trek doch eher ein Rückschritt. (Bei “Enterprise” kann ich gar nicht mitreden — nur den Pilotfilm unbegeistert gesehen. Wird auch nachgeholt, wenn es irgendwo auf einem Streaming-Portal rumlungert.)

Meine Eindrücke zu “Voyager”:

  • Die englische Originalfassung ist Pflicht. Janeway gewinnt 50% Charakter und Haltung durch Mulgrews Duktus. Für die anderen Darsteller gilt das nur sehr eingeschränkt.
  • Es gibt auch hier kolossal gute Folgen, aber die stehen i.d.R. für sich. Welches in meinen Augen die besten Folgen sind? Sagen wir so: es ist kein Wunder, dass der Doktor die beliebteste Figur des Ensembles wurde. Picardo hatte natürlich mit dem Charakter eine Steilvorlage, aber er holt auch alles raus. Der Doktor als Sänger, als Spion, als … alles mögliche — da brummt die Serie. Ansonsten hat mir die “Year of Hell”-Doppelfolge ausnehmend gut gefallen — das ist sehr klassischer Trek.
  • Kernproblem ist, dass man nie ein Gefühl für die große Entfernung hat, die zurückgelegt werden soll. Gerade am Anfang hat man das Gefühl, im Kreis zu fliegen. Den Kunstgriff, mit dem Alphaquadranten kommunizieren zu können, hätten sie vielleicht früher einführen sollen, um den Zuschauern ein Gefühl für die Entfernung zu geben. Einfach nur nichts hören und rumeiern ist zu wenig.
  • Wenn Chakotay noch eine einzige weitere Reise zu seinem inneren Tier gemacht hätte, hätte ich das Notebook aus dem Fenster geworfen.
  • Die meisten Figuren entwickeln sich nicht, obwohl sie sich entwickeln sollen. Tom Paris soll einerseits weiter der Draufgängerpilot sein, aber auch B’Elanna ehelichen? Passt vorne und hinten nicht.
  • Die Abschluss-Doppelfolge funktioniert, auch wenn erzählerisch eine Abkürzung genommen wird. Muss man mehr als 20 Jahre nach dem Ende der Serie vor Spoilern warnen, wenn man was zum Ende schreibt? Gut, fürs Protokoll: SPOILER! Was mir einen schlechten Geschmack zurücklässt, ist die Tatsache, dass die Voyager drei Minuten vor Ende der Serie daheim ankommt. Alle dürfen ungläubig und glücklich gucken, dann fliegt die Armada zur Erde — Ende. Klar, schönes Schlussbild, darum ging es, aber VERDAMMT NOCH MAL, hättet ihr das doch bitte in der vorletzten Folge gemacht und mir in der letzten Folge einen Epilog geboten, wie alle ihre Familien wiedersehen oder sonst was passiert.

Insgesamt: ich habe mich gut unterhalten, auch wenn die Serie inzwischen sichtbar gealtert ist, behäbig daherkommt. Das war dann aber auch ein schönes Kontrastprogramm zu der fulminanten, fordernden aktuellen Serienlandschaft.

Bitte, bitte, Bryan Fuller: bleib in diesem Universum. Lass den Abrams im Kino rumfuhrwerken und erzähle mir, was nach dem Ende von “Voyager” passiert.

Aber auf mich hört ja keiner.

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