From Dusk Til Schweiger

Ich habe nur die ersten 15 Minuten des Til-Schweiger-Doppeltatorts gesehen. Am konkreten Werk kann ich nicht rumkritteln. Und ich würde mich eh nur bei den “Trotteln” einreihen, wie Schweiger sie nennt, und das, obwohl ich auch etwas von der “Craft” verstehe, wenn auch nur in einer Unterdisziplin von dem, was das Universalgenie aus Heuchelheim alles kann: “Filmemacher/Schauspieler/Produzent/Writer/Cutter/Composer”.

15 Minuten Schweigertatort

Sie zeigen mir, warum ich als Zuschauer nie mit Schweiger und dem Tatort jeweils warm geworden bin.

Zunächst Schweiger selbst. Dass er kein Charaktermime ist — geschenkt. Das sind viele bekannte Schauspieler nicht. Ich habe auch kein Problem damit, dass er immer ähnliche knarzige Typen spielt, die er für sich offenbar perfekt findet. Mich nervt, dass seine Vorstellung von Charisma und Ausstrahlung sich offenbar in der gleichen rotzigen Ausstrahlung erschöpft, die er auf der Leinwand und der Facebook-Leinwand gleichermaßen ausstrahlt. Alles angestrengt, alles angespannt, immerzu.

Vergleichen wir ihn mit einem seiner offensichtlichen Vorbilder: Bruce Willis.

“Die Hard” ist die Action, nach der Schweiger strebt, und ich wäre nicht verwundert, wenn er auch in seinem Tatort früher oder später im dreckigen Unterhemd rumsteht. Mit diesem Bild, mit dieser Figur wurde Willis bekannt. Stoisch, hart und mit einem blöden Spruch die Bösen in die Luft jagen.

Aber gleichzeitig hat Willis unter anderem in “12 Monkeys” gezeigt, dass er auch schwache und verängstigte Figuren spielen kann. In “The Whole Nine Yards” oder seinem großartigen Gastauftritt in der Serie “Friends” hat er gekonnt Selbstironie bewiesen. Sogar singen kann er.

DAS ist “Craft”.

Talkshow-Auftritt von Bruce Willis / Talkshow-Auftritt von Til Schweiger.

Klar, Amerika ist Showbiz pur, und es sollte nicht das Ziel sein, eine reine Kopie eines anderen zu werden. Und die deutsche Filmlandschaft wäre ohne Til Schweiger NOCH langweiliger, auch wenn man sich das kaum vorstellen mag. Aber diese Mackerei, dieses Haudrauf mit der Panzerfaust im Film und verbal im echten Leben, ohne Nuancen, ohne Charme, ohne Humor erschöpft sich sehr schnell.

Dann der Tatort als solcher.

Immer, wenn ein Tatort als besonders innovativ gefeiert wird, schaue ich halt mal rein. Dann stelle ich fest, dass es ein innovativer Tatort ist, ja, für Tatort-Zuschauer.

Seit ca. 20 Jahren werden wir mit so unfassbar gutem TV-Material überschwemmt, nur stammt es vornehmlich aus den USA, teils aus GB, teils aus CA. Jedenfalls nicht aus dem heimischen Biotop. Ich habe keinen Grund gefunden, warum ich 90 Minuten für einen Tatort reservieren soll, wenn das auf Kosten von “Unbreakable Kimmy Schmidt”, “The Man in the High Castle”, “Brooklyn 99” oder “Jessica Jones” gehen soll, um nur ein paar ganz aktuelle Beispiele zu nennen. Handwerklich gibt es an den Tatorten kaum etwas auszusetzen, gerade bei dem Schweigertatort, wo mit Christian Alvart ein Könner hinter der Kamera steht.

Aber es interessiert mich einfach nicht, was da passiert.

Tschiller telefoniert während eines Einsatzes mit der Tochter, die bei einem Freund übernachtet und regt sich fürchterlich darüber auf. Über was von diesen beiden Sachen soll ich mich mehr aufregen? Diese konstruierte Doofheit des Telefonats an sich in dieser Situation oder das Vaterbild der 50er Jahre?

Dann steht Helene Fischer mit einer schwarzen Perücke da und darf sich davonstehlen.

Dann sitzen wir in der Polizeiwache, schauen Dias und besprechen etwas über irgendwelche Bösewichter.

Dann wechsle ich zu Season 5 von “The Walking Dead”.

Der Tatort ist so sehr kultisiert (und nicht kultiviert) worden, dass Tatortbashing zu einfach ist. Diese endlose Selbstreferenzialität, diese gewollt skurrilen Ermittler mit ihren Privatproblemen, die Raucherstäbchen mit Lokolkolorit, die in den Verwaltungen der Landessender abgefackelt werden … Der Schweiger-Rundumschlag sollte mich da eigentlich gar nicht ärgern, aber er tut es doch. Selbstbeweihräucherung ist manchmal nötig, um als Kreativer überhaupt weiterzumachen, wenn destruktive Kritik aufschlägt, aber hier wird nur die eigene Einseitigkeit verherrlicht.

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