Eiscafé, sonniger Nachmittag

Ein Paar kommt. Sie ist sichtlich schwanger. In einer Ecke ist noch ein Tisch frei. Beide setzen sich hin.

Doch sie und ihr Babybauch sitzen ungünstig, weil im Luftzug des Nachbartisches, an dem ein Raucher sitzt.

Sie wirft dem Sitznachbarn pikierte Blicke zu, die dieser nicht bemerkt. Dann tuschelt sie mit ihrem Kerl. Der scheint es auch so zu sehen. So geht das nicht. Kann doch nicht sein, dass die schwangere Frau im Zigarettenqualm sitzen muss.

Beide stehen auf und tauschen die Plätze.

Besser.

Und er greift in die Tasche, holt Zigaretten raus und zündet sich eine an.

Geistige Gesundheit in der Ära Trump

Ich bin im Kalten Krieg im Zonenrandgebiet aufgewachsen, in der Nähe von Fulda. Hier vor meiner Haustür im Wald war ein Lager der NATO. Schwer bewacht, nachts hell erleuchtet. Was genau sich dort befand, wusste niemand, aber man munkelte von Atomwaffen. Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter sagte: “Naja, wenn es wirklich mal knallt, sind wir wenigstens gleich weg.”

Das war trotzdem kein ganz so beruhigender Gedanke für einen 12jährigen.

Soweit ich weiß, waren dort in Wirklichkeit keine Atomwaffen eingelagert, nur Versorgungsmaterial für den Fall, dass die Sowjetmächte durch den “Fulda Gap” einfallen, um Richtung Rhein-Main zu ziehen.

Oh, ich weiß.

Den Trump kann man doch nicht mit dem Kalten Krieg vergleichen! Überhaupt sollte man den doch erst mal machen lassen und … Moment, er hat ja jetzt schon ein paar Wochen hinter sich. Waren die ermutigend, dass alles doch nicht so schlimm wird?

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Wie man garantiert erfolgreiche(r) SchriftstellerIn wird!

  1. Schreiben ist reines Talent. Niemand darf einfach schreiben und durch Übung besser werden. Das Gesetz verlangt, dass so etwas “in die Wiege gelegt” worden sein muss. Sie sollten also zunächst Ahnenforschung betreiben, um herauszufinden, welche Ihre Vorfahren Schriftsteller waren oder schrifststellerähnliche Berufe ausgeübt haben (Buchhalter, Hofnarr, Höhlenmaler). Ist das nicht möglich, lassen Sie von einer Genetik-Firma eine DNA-Analyse machen. Weisen Sie darauf hin, dass Sie bereit sind, eine besonders hohe Gebühr bezahlen zu wollen, wenn bei Ihnen das Schriftsteller-Gen gefunden wird. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es dann passieren. Sollte das alles nicht zum gewünschten Ergebnis führen, heuern Sie ein Medium (“Medium”, haha) an, um eine Geistesverwandtschaft mit einer berühmten Schrifstellerin oder einem Schriftsteller Ihrer Wahl feststellen zu lassen. Verhalten Sie sich fortan wie die gefundene Person. (Allerdings dürfen Sie gern älter werden als Novalis oder Keats und wenn Sie es nicht vertragen, dürfen Sie auch weniger trinken als Hemingway.)
  2. Wenn Sie beschlossen, haben, erfolgreiche(r) SchriftstellerIn zu werden, sollten Sie sofort allen Leuten davon erzählen. Beginnen Sie unverzüglich damit, Ihrem direkten Umfeld davon zu berichten, dass Sie ein Buch schreiben wollen. Lassen Sie sich nicht davon verwirren, wenn die Leute fragen, was es denn für ein Buch werden soll. Sie haben beschlossen, es zu schreiben, das ist der wichtigste Schritt. Sie sind jetzt SchriftstellerIn! Das heißt ja nicht, dass Sie wirklich was schreiben müssen.
  3. Legen Sie auch sofort eine Autorenseite bei Facebook an und laden Sie so viele Leute wie möglich ein, diese zu liken. Lassen Sie die Seite nicht einschlafen und posten Sie jeden Tag mindestens drei Sachen (1x einen Sinnspruch, den Sie sich selbst ausdenken, idealerweise als teilbares Bild, 1x Ihren Schreibfortschritt in Prozent, 1x den Wetterbericht).
  4. Wenn Sie keine Katze haben, kaufen Sie eine. SchriftstellerInnen posten Katzenbilder.Wenn Sie keinen Schreibfortschritt verzeichnen können, ist ein Katzenbild eine gängige Alternative. Versuchen Sie, die Kosten für Katzenfutter als Betriebsausgabe von der Steuer abzusetzen.
  5. Lassen Sie ein repräsentatives Autorenfoto machen. Besonders ratsam ist die Denkerpose. Heuern Sie dafür mehrere professionelle Fotografen an. Posten Sie alle Bilder bei Facebook, machen Sie ein Event aus der Abstimmung.
  6. Verwenden Sie viel Sorgfalt auf die Wahl Ihres Schreibgeräts. Es darf Ihrer Kreativität auf keinen Fall im Weg stehen. Sie möchten doch nicht Scheitern, bloß weil Sie den falschen Füller oder die falsche Textverarbeitung benutzen! Finden Sie zunächst heraus, ob Sie analog (per Hand oder mit klassischer Schreibmaschine) oder digital schreiben wollen. Ist Ersteres der Fall, sollten Sie sich nicht von hochnäsigen Verlegern verwirren lassen, die keine handgeschriebenen Manuskripte annehmen wollen. Mit derart unprofessionellen Verlagen sollte ein Genie wie Sie überhaupt nicht zusammenarbeiten. Wenn Sie am Rechner arbeiten wollen, evaluieren Sie ausführlich jede Kreativsoftware, die nicht bei drei auf den Bäumen ist. Außerdem sollten Sie besonders viel Sorgfalt bei der Wahl Ihrer Tastatur walten lassen. Vielleicht kommen Sie nur in den Flow, wenn Sie auf Tasten aus Elfenbein tippen? Finden Sie es heraus.
  7. Als erfolgreiche(r) SchriftstellerIn dürfen Sie sich ruhig den ein oder anderen Spleen erlauben, ja es ist im Sinne des Aufbaus Ihres Namens als Marke sogar ratsam. Sie müssen lange vor der Veröffentlichung Ihres Buches ein scharfes Profil da draußen haben, sonst gehen Sie in der Masse unter. (Überhaupt ein großes Problem, dass nicht nur Naturtalente wie Sie schreiben, sondern dass inzwischen alle möglichen Leute etwas rausbringen. Frechheit!) Legen Sie sich ein extravagantes Hobby, einen unverwechselbaren Kleiderstil und eine Anti-Frisur zu.
  8. Schreiben Sie.
  9. Bekommen Sie eine existenzielle Krise.
  10. Lassen Sie sich höhnisch von Ihrer Katze anschauen.
  11. Geben Sie auf.
  12. Fangen Sie wieder an.
  13. Füttern Sie die Katze.
  14. Schreiben Sie weiter.

Ihr Verbreiter von Hass in sozialen Medien

Ihr nervt.

Da ist dieses Bild, und darauf steht in großen Buchstaben eine hässliche Lüge, die leicht zu durchschauen wäre, wenn man sich die Mühe machen würde, sie zu hinterfragen oder zu schauen, was für Leute dieses Bildchen gemacht haben.

Doch das tut ihr nicht.

Ihr klickt sofort auf “Teilen”.

Und die Likes hämmern rein, weil ihr mit Leuten befreundet seid, die die Lüge genauso blind abkaufen, die ihre Vorurteile bestätigt sehen. Die teilen das auch fröhlich weiter.

Dann weist vielleicht jemand darauf hin, dass das Bild aus einer dunkelbraunen Ecke stammt, aber statt dass ihr es löscht meint ihr: Hey, es geht doch nur um die Aussage AN SICH! Mir doch egal, WER das da gesagt hat. Selbst wenn man darauf hinweist, dass es eine Lüge ist, dumpfe, hohle Propaganda — es kümmert euch nicht. Ihr lasst es stehen. Ihr sammelt mit dem Mist weitere Likes.

Bäm — blockiert.

Schock: Wie intolerant kann man denn sein? Man muss doch auch jenseits der Filterbubble leben und andere Meinungen respektieren! Und überhaupt, Dialog und so! Man muss doch —

Oh, noch ein Bild. Da hat aber jemand etwas Schreckliches getan! Es wird immer schlimmer in der Welt, alles geht abwärts!

“Teilen”.

Allgemeine Löffler-Bedingungen (ALB)

Wenn wir uns irgendwo in sozialen Netzwerken verknüpfen, erkennst du die folgenden Bedingungen an:

§ 1 Geltungsbereich

Die folgenden Allgemeinen Löfflerbedingungen (ALB) gelten für alle virtuellen Interaktionen zwischen dir und mir. Sie beschreiben die Bedingungen, unter denen wir uns in den üblichen sozialen Medien vernetzen können.

§ 2 Vernetzungsabschluss

  1. Durch das Klicken von “Freund hinzufügen” oder ähnlichen Buttons (je nach Seite) schließen wir eine “Freundschaft”, die dadurch gekennzeichnet ist, das wir auf einer Internetseite vernetzt sind.
  2. Eine echte Freundschaft ist was anderes.
  3. Nur weil wir im wahren Leben gut miteinander auskommen, muss das nicht bedeuten, dass das auch im Netz funktioniert. Oder umgekehrt.

§ 3 Lieferung

  1. Beide Seiten schreiben je nach Lust und Laune etwas auf die Seite, auf der wir vernetzt sind. Auch lustige Medien jeder Art sind erlaubt.
  2. Niemand ist zu einer bestimmt Frequenz verpflichtet.
  3. Fotos vom Nahrung sind zu vermeiden (Ausnahme: Bier).
  4. Auf gegenseitiges virtuelles Gratulieren zum Geburtstag verzichten beide Seiten im stillschweigenden, alles Gute wünschenden Einvernehmen.
  5. Ironie im Netz ist schwierig und führt zu Missverständnissen. Deswegen verpflichten sich beide Seiten, sie regelmäßig einzusetzen.

§ 4 Eigentumsvorbehalt

  1. Bis zur gegenseitigen Akzeptanz von Äußerungen jedweder Art (“Like”) bleibt eine Meinung im Besitz der Person, die sie aufschreibt.
  2. Ein virtuelles Freundschaftsverhältnis heißt nicht, dass man jedes Posting in irgendeiner Form unterstützt oder auch nur toleriert.

§ 5 Widerrufsrecht

  1. Stelle ich fest, dass du mit mir nicht kompatibel bist, weil du Zeug postest, das mir im Hals stecken bleibt (politischer oder religiöser Fanatismus) oder nur belanglosen Kram (Bildchen mit Sinnsprüchen), behalte ich mir vor, dich mindestens auszublenden, vielleicht sogar zu blocken.
  2. Das gleiche Recht hast du natürlich auch.
  3. Wenn wir uns “entfreunden” oder blocken, können wir trotzdem im wahren Leben ganz gut miteinander auskommen.
  4. Unberührt davon bleibt aller Leute Recht, eine andere Meinung zu haben. Aber die darf man im echten und virtuellen Raum scheiße finden und auch so benennen.

§ 6 Haftung

  1. Jede/r ist selbst für das Zeug verantwortlich, das sie/er schreibt. Basta.
  2. Für Schäden jedweder Art durch meine Wortspiele wird keine Haftung übernommen.

§ 7 Schlussbestimmungen

  1. Gewichtsstandort ist meine Waage.
  2. Bunt ist das Dasein und granatenstark.

Millionär

Ich stehe auf dem Hoherodskopf vor der Gaststätte, warte auf die Familie und gucke aufs Smartphone.

Ein älterer Herr nähert sich mir. Er hebt die Hand und deutet auf mein Moto X. “Des is des liebste Spielzeug der Deutschen!”, ruft er aus, nicht anklangend, eher entschlossen, seine Meinung der Welt mitzuteilen. Was man auch an der hessischen Klangfärbung merkt.

“Naja”, sage ich, “ist jetzt nicht mehr so ungewöhnlich.”

“Ich hab des net! Aber Sie sehe ja auch aus wie’n Millionär.”

Nun, ich träge eine stinknormale Jacke, meine älteste Jeans und einen Kapuzenpulli, der ungefähr aus der Zeit stammt, als Motorola noch für Klapphandys bekannt war. “Haha. Ich bin armer Künstler.”

“Künstler? Un was mache Sie für Kunst?”

Ich erwäge, ihm zu erklären, dass ich in erster Linie Texte für Computerspiele schreibe, wie sie auch auf solchen Spielzeugen laufen, die in seiner Wahrnehmung nur Millionäre besitzen, aber denn wähle ich das hochtrabendste Wort, das mir einfällt:

“Schriftsteller!” Er muss ja nicht wissen, dass letztens eines meiner Bücher vom Markt genommen wurde.

“Hab ich Sie die Woch’ im Fernseh’ gesehe?”

“Nee”, sage ich, “die Woch’ net.”

Aber diese Woche war ein Schriftsteller im Fernsehen, der so ausgesehen hat wie ich, beharrt er.

Ich beharre darauf, es nicht gewesen zu sein.

Wir merken, dass wir uns in dieser Hinsicht nicht einig werden. Er hat Hunger und muss in die Gaststätte, ich habe noch wichtige Millionärsdinge auf meinem Smartphone zu erledigen.

13 Jahre als freier Autor. Was ich in dieser Zeit gelernt habe

Höchst subjektiv, nur bedingt auf andere Lebensentwürfe oder Branchen übertragbar und ohne jeden Anspruch auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Kekse.

Seit 15. September 2003 bin ich freier Autor.

Heißt, jetzt sind es genau 13 Jahre. Warum sollte man diese Unglückszahl feiern? Nun, ab sofort bin ich längere Zeit Freiberufler als ich Schüler gewesen bin. Anders gesagt:

Die Freiberuflichkeit ist nun die längste Phase in den 42 Jahren meines Lebens.

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Die Taufe der Arche Noah

Ein Kopfschüttler nach dieser Vorgabe:

“Etwas Zoologisches (mit Tieren) und Champagner. Und Schiffe.”

Alle Tiere auf der Arche Noah brüllten panisch, denn die Wellen schlugen immer höher. “Noah! Jetzt komm endlich! Wir müssen los!”, rief der Erste Maat.

“Moment!”, brüllte Noah zurück. “Es bringt Unglück, mit einem Schiff in See zu stechen, das noch nicht getauft worden ist.”

Er stand auf dem Felsen, der aus dem Meer heraus ragte — das letzte Stück Land, soweit das Auge reichte. Der Regen peitschte gnadenlos herab. Seit Wochen war keine Sonne mehr zu sehen gewesen. Noah hielt eine Champagnerflasche hoch über seinem Kopf.

“Ich taufe dich auf den Namen …” Er hatte keine Ahnung. Gott hatte ihm gesagt, dass er das Ding bauen sollte, aber weder hatte er ihm eine Anleitung gefaxt, noch einen Namen kommuniziert. “Ich weiß nicht, wie ich das Schiff nennen soll!”, rief er rüber.

“Bloß keinen Frauennamen! Das bringt Unglück!”, rief der Schiffskoch aus der Kombüse. “Und übrigens wollen die Tiger das Trockenfutter nicht.”

“Nimm irgendeinen Namen!”, rief der Erste Maat. “Ist egal. An den Kahn erinnert sich eh keiner mehr, wenn das alles rum ist.”

“Nein, es muss ein wichtiger Name sein! Einer für die Geschichte”

Das Wasser stieg höher.

“Dann nenn die Schaluppe halt nach dir selbst, du Arsch!”, schallte es aus der Kombüse. “Wir saufen hier bald ab!”

Noahs Füße wurden nass. Ihm blieb keine Zeit.

“Ich taufe dich auf den Namen … Arsch Noah!”, rief er und schleuderte die Champagnerflasche.

Wegen des heftigen Windes kamen seine Worte allerdings nicht ganz deutlich beim Rest der Besatzung an.

Der Stinkuin

Ein Kopfschüttler nach dieser Vorgabe:

“Ein stinkender Pinguin, eine geschwätzige non-kommunikative Konsumgütertrennstange und ein pulsierender Haufen Dreck.”

“Du stinkst.”

Die Konsumgütertrennstange besaß keine Nase. Auch keine Augen. Aber sie fühlte, wie sich die Gestankpartikel auf ihrem Plastik niederließen und dort auf eine besonders ekelhafte Weise haften blieben. Eigentlich hätte sie drüberstehen müssen. Schließlich war es ihr Job, halb vergammelte Lebensmittel voneinder zu trennen, und das auf einem Laufband, an das sich Bakterien mit aller Kraft festklammerten. So was härtete ab. Aber der Stinkuin ging ihr auf die Nerven, die sie nicht hatte.

“Ich weiß”, gab der Stinkuin zurück. “Ist halt so. Ich kann nicht anders. Es liegt in meiner Natur. Stinkuine sind deswegen auch fast ausgestorben. Kein Zoo will uns haben. Abgesehen davon … der Dreckhaufen da stinkt viel mehr.”

“Der pulsiert nur.”

“Das kannst du doch gar nicht sehen.”

“Er strahlt Wärme ab. Die fühle ich. Würde sie noch besser fühlen, wenn dein Gestank mich nicht so einhüllen würde.”

“‘tschuldigung.”

“Was willst du eigentlich?”

“Fisch.”

“Ach so. Den gibt’s neben der Wursttheke. Hinter dem Dreckhaufen.”

“Warum pulsiert der überhaupt?”

“Der ist sauer, weil die Butterkekse aus dem Sortiment genommen worden sind. Das stinkt ihm.”

“Also ein Stinkhaufen. Haha.”

“Selber.”

Im Hort des Kaffeedrachen

Ein Kopfschüttler nach dieser Vorgabe:

“Drachen sollten drin vorkommen. Und Kaffee. Kaffee ist immer gut.“

“Ich sehe dich!”

Der Kaffeedrache stampfte über die Kaffeebohnen, und seine riesigen Pranken mahlten diese zu einem feinen Pulver, nach dem sich Hamburger Kaufleute die Finger leckten.

“Komm raus, Dieb!”

Ein Häufchen Bohnen geriet in Bewegung und rieselte zur Seite, als sich jemand erhob, der sich darin versteckt hatte.

Es war ein Teedrache.

“Du weißt, dass das Zeug auf die Pumpe geht, oder?” Der Teedrache griff mit einer seiner rechten Krallenhand unter die linke Schwinge und holte ein Bündel Blätter hervor. “Grüner Tee!”, rief er aus. “Beruhigt die Nerven, schont die Herzen. Aber nicht zu lange aufbrühen.”

Dumpf starrte der Kaffeedrachen auf seinen kleinen Artgenossen hinab. “Du willst dich gar nicht an meinen Reichtümern vergreifen?”

“Kommt drauf an. Hast du auch ein Zimmer mit dem Entkoffeeinierten? Ist ganz gut, so was zu Hause zu haben, falls Gäste vorbeikommen. Der ist dann nicht ganz so schädlich, weißt du?”

“Ich … ich …”

“Reg dich nicht so auf. Du glühst ja schon wieder! Siehst du, das macht dieses Gesöff mit dir. Da kannst du jeden Arzt fragen. Klar, eine Tasse Kaffee kann den Blutdruck anregen, aber seien wir ehrlich: dabei bleibt’s doch nicht. Außer grünem Tee kann ich noch-”

Der Kaffeedrache riss sein Maul auf und Flammen schossen heraus. Sie hüllten den Teedrachen ein. Von ihm blieb nur ein feines Pulver übrig, das sich mit dem Kaffeepulver vermischte.

“Höchster Röstgrad”, murmelte der Kaffeedrache und brühte sich damit eine Tasse auf.