Wie man garantiert erfolgreiche(r) SchriftstellerIn wird!

  1. Schreiben ist reines Talent. Niemand darf einfach schreiben und durch Übung besser werden. Das Gesetz verlangt, dass so etwas “in die Wiege gelegt” worden sein muss. Sie sollten also zunächst Ahnenforschung betreiben, um herauszufinden, welche Ihre Vorfahren Schriftsteller waren oder schrifststellerähnliche Berufe ausgeübt haben (Buchhalter, Hofnarr, Höhlenmaler). Ist das nicht möglich, lassen Sie von einer Genetik-Firma eine DNA-Analyse machen. Weisen Sie darauf hin, dass Sie bereit sind, eine besonders hohe Gebühr bezahlen zu wollen, wenn bei Ihnen das Schriftsteller-Gen gefunden wird. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es dann passieren. Sollte das alles nicht zum gewünschten Ergebnis führen, heuern Sie ein Medium (“Medium”, haha) an, um eine Geistesverwandtschaft mit einer berühmten Schrifstellerin oder einem Schriftsteller Ihrer Wahl feststellen zu lassen. Verhalten Sie sich fortan wie die gefundene Person. (Allerdings dürfen Sie gern älter werden als Novalis oder Keats und wenn Sie es nicht vertragen, dürfen Sie auch weniger trinken als Hemingway.)
  2. Wenn Sie beschlossen, haben, erfolgreiche(r) SchriftstellerIn zu werden, sollten Sie sofort allen Leuten davon erzählen. Beginnen Sie unverzüglich damit, Ihrem direkten Umfeld davon zu berichten, dass Sie ein Buch schreiben wollen. Lassen Sie sich nicht davon verwirren, wenn die Leute fragen, was es denn für ein Buch werden soll. Sie haben beschlossen, es zu schreiben, das ist der wichtigste Schritt. Sie sind jetzt SchriftstellerIn! Das heißt ja nicht, dass Sie wirklich was schreiben müssen.
  3. Legen Sie auch sofort eine Autorenseite bei Facebook an und laden Sie so viele Leute wie möglich ein, diese zu liken. Lassen Sie die Seite nicht einschlafen und posten Sie jeden Tag mindestens drei Sachen (1x einen Sinnspruch, den Sie sich selbst ausdenken, idealerweise als teilbares Bild, 1x Ihren Schreibfortschritt in Prozent, 1x den Wetterbericht).
  4. Wenn Sie keine Katze haben, kaufen Sie eine. SchriftstellerInnen posten Katzenbilder.Wenn Sie keinen Schreibfortschritt verzeichnen können, ist ein Katzenbild eine gängige Alternative. Versuchen Sie, die Kosten für Katzenfutter als Betriebsausgabe von der Steuer abzusetzen.
  5. Lassen Sie ein repräsentatives Autorenfoto machen. Besonders ratsam ist die Denkerpose. Heuern Sie dafür mehrere professionelle Fotografen an. Posten Sie alle Bilder bei Facebook, machen Sie ein Event aus der Abstimmung.
  6. Verwenden Sie viel Sorgfalt auf die Wahl Ihres Schreibgeräts. Es darf Ihrer Kreativität auf keinen Fall im Weg stehen. Sie möchten doch nicht Scheitern, bloß weil Sie den falschen Füller oder die falsche Textverarbeitung benutzen! Finden Sie zunächst heraus, ob Sie analog (per Hand oder mit klassischer Schreibmaschine) oder digital schreiben wollen. Ist Ersteres der Fall, sollten Sie sich nicht von hochnäsigen Verlegern verwirren lassen, die keine handgeschriebenen Manuskripte annehmen wollen. Mit derart unprofessionellen Verlagen sollte ein Genie wie Sie überhaupt nicht zusammenarbeiten. Wenn Sie am Rechner arbeiten wollen, evaluieren Sie ausführlich jede Kreativsoftware, die nicht bei drei auf den Bäumen ist. Außerdem sollten Sie besonders viel Sorgfalt bei der Wahl Ihrer Tastatur walten lassen. Vielleicht kommen Sie nur in den Flow, wenn Sie auf Tasten aus Elfenbein tippen? Finden Sie es heraus.
  7. Als erfolgreiche(r) SchriftstellerIn dürfen Sie sich ruhig den ein oder anderen Spleen erlauben, ja es ist im Sinne des Aufbaus Ihres Namens als Marke sogar ratsam. Sie müssen lange vor der Veröffentlichung Ihres Buches ein scharfes Profil da draußen haben, sonst gehen Sie in der Masse unter. (Überhaupt ein großes Problem, dass nicht nur Naturtalente wie Sie schreiben, sondern dass inzwischen alle möglichen Leute etwas rausbringen. Frechheit!) Legen Sie sich ein extravagantes Hobby, einen unverwechselbaren Kleiderstil und eine Anti-Frisur zu.
  8. Schreiben Sie.
  9. Bekommen Sie eine existenzielle Krise.
  10. Lassen Sie sich höhnisch von Ihrer Katze anschauen.
  11. Geben Sie auf.
  12. Fangen Sie wieder an.
  13. Füttern Sie die Katze.
  14. Schreiben Sie weiter.

Allgemeine Löffler-Bedingungen (ALB)

Wenn wir uns irgendwo in sozialen Netzwerken verknüpfen, erkennst du die folgenden Bedingungen an:

§ 1 Geltungsbereich

Die folgenden Allgemeinen Löfflerbedingungen (ALB) gelten für alle virtuellen Interaktionen zwischen dir und mir. Sie beschreiben die Bedingungen, unter denen wir uns in den üblichen sozialen Medien vernetzen können.

§ 2 Vernetzungsabschluss

  1. Durch das Klicken von “Freund hinzufügen” oder ähnlichen Buttons (je nach Seite) schließen wir eine “Freundschaft”, die dadurch gekennzeichnet ist, das wir auf einer Internetseite vernetzt sind.
  2. Eine echte Freundschaft ist was anderes.
  3. Nur weil wir im wahren Leben gut miteinander auskommen, muss das nicht bedeuten, dass das auch im Netz funktioniert. Oder umgekehrt.

§ 3 Lieferung

  1. Beide Seiten schreiben je nach Lust und Laune etwas auf die Seite, auf der wir vernetzt sind. Auch lustige Medien jeder Art sind erlaubt.
  2. Niemand ist zu einer bestimmt Frequenz verpflichtet.
  3. Fotos vom Nahrung sind zu vermeiden (Ausnahme: Bier).
  4. Auf gegenseitiges virtuelles Gratulieren zum Geburtstag verzichten beide Seiten im stillschweigenden, alles Gute wünschenden Einvernehmen.
  5. Ironie im Netz ist schwierig und führt zu Missverständnissen. Deswegen verpflichten sich beide Seiten, sie regelmäßig einzusetzen.

§ 4 Eigentumsvorbehalt

  1. Bis zur gegenseitigen Akzeptanz von Äußerungen jedweder Art (“Like”) bleibt eine Meinung im Besitz der Person, die sie aufschreibt.
  2. Ein virtuelles Freundschaftsverhältnis heißt nicht, dass man jedes Posting in irgendeiner Form unterstützt oder auch nur toleriert.

§ 5 Widerrufsrecht

  1. Stelle ich fest, dass du mit mir nicht kompatibel bist, weil du Zeug postest, das mir im Hals stecken bleibt (politischer oder religiöser Fanatismus) oder nur belanglosen Kram (Bildchen mit Sinnsprüchen), behalte ich mir vor, dich mindestens auszublenden, vielleicht sogar zu blocken.
  2. Das gleiche Recht hast du natürlich auch.
  3. Wenn wir uns “entfreunden” oder blocken, können wir trotzdem im wahren Leben ganz gut miteinander auskommen.
  4. Unberührt davon bleibt aller Leute Recht, eine andere Meinung zu haben. Aber die darf man im echten und virtuellen Raum scheiße finden und auch so benennen.

§ 6 Haftung

  1. Jede/r ist selbst für das Zeug verantwortlich, das sie/er schreibt. Basta.
  2. Für Schäden jedweder Art durch meine Wortspiele wird keine Haftung übernommen.

§ 7 Schlussbestimmungen

  1. Gewichtsstandort ist meine Waage.
  2. Bunt ist das Dasein und granatenstark.

13 Jahre als freier Autor. Was ich in dieser Zeit gelernt habe

Höchst subjektiv, nur bedingt auf andere Lebensentwürfe oder Branchen übertragbar und ohne jeden Anspruch auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Kekse.

Seit 15. September 2003 bin ich freier Autor.

Heißt, jetzt sind es genau 13 Jahre. Warum sollte man diese Unglückszahl feiern? Nun, ab sofort bin ich längere Zeit Freiberufler als ich Schüler gewesen bin. Anders gesagt:

Die Freiberuflichkeit ist nun die längste Phase in den 42 Jahren meines Lebens.

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Die artgerechte Haltung eines „Game Writers“

Transkript des Vortrags, der im Mai 2016 auf der Zoologen-Fachtagung “German Dev Days” gehalten wurde.

Liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde, liebe Zoologen und Biologen, liebe Entwickler und Entwicklungshelfer.

Ein neuer Tag bricht an im Spieleentwicklerland.

Nur langsam steigt die Sonne über den Horizont, taucht Konsolen, PCs und Virtual-Reality-Brillen in goldenes Licht. Die ersten Stunden des Tages sind von Frieden erfüllt, wenn die Kreaturen der Nacht gerade erst ihre Crunchtime beendet haben und nach Hause gewankt sind. Nur langsam erwacht in der Developersteppe das Leben, und mit jeder Minute wagen sich mehr Wesen aus ihrem Bau, erfüllen neue Geräusche die Luft. Surrend fahren Rechner hoch, Passwörter werden klackernd eingegeben, erste Kaffeemaschinen verbreiten ihren lebenswichtigen Nektar.

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Für wen ich Lesungen an Schulen halte

Im Vergleich zu Kolleginnen und Kollegen, die überwiegend Kinder- und Jugendbücher schreiben und auf bis zu 300 Lesungen pro Jahr kommen (!), halte ich wenige Schullesungen. Seit einigen Jahren fahre ich fünf Tage in die Ostschweiz und bin dann jeden Tag an einer anderen Schule, und gelegentlich halte ich in Deutschland eine Lesung. Insgesamt komme ich nun auf ca. 100 Schullesungen. Anfangs habe ich aus meinem Jugendkrimi vorgetragen, aber inzwischen habe ich eine interaktive Kurzgeschichte geschrieben, die auf dem Roman basiert, und anhand der Geschichte erzähle ich auch, wie Storytelling in Computerspielen funktioniert.

Der Zweck einer Lesung an Schulen ist Leseförderung. Die Kinder und Jugendlichen sollen animiert werden, mal ein Buch in die Hand zu nehmen. Vielleicht funktioniert das auch. Keine Ahnung. Aber daran denke ich nicht, wenn ich die Lesung halte, und ich schaue oft genug in die Gesichter von Schülern, die noch nie freiwillig gelesen haben und es niemals tun werden, egal wie sehr ich mir einen abhampele. (Von denen bekommt man am Ende der Lesung einen besonders lang anhaltenden, hämischen Applaus, dass endlich alles fertig ist.)

Solche Lesungen halte ich für die stillen Schülerinnen und Schüler.

Die sitzen schweigend da und hören zu. Wie wahrscheinlich auch sonst in ihrem Leben. Sie verpassen keinen Wimpernschlag, und ich sehe in ihren Augen, dass sie voll dabei sind. Kein Getratsche. Kein Gekichere.

Wenn die Lesung fertig ist, strömen die meisten Schüler lautstark plappernd raus. So schnell wie möglich. Aber einige von ihnen kommen dann noch mal zu mir. Sie sagen, dass sie selbst schreiben. Ich ahne, dass sie nicht gerade die Coolsten auf dem Schulhof sind. Wir reden übers Geschichtenerzählen, wo man etwas veröffentlichen kann, wie man Texte überarbeitet. Dafür nehme ich mir Zeit, denn ich weiß, dass dieses Gespräch mehr bewirken können als die 100 Lesungen zusammen. Vielleicht gibt es Schülerinnen oder Schüler, die aus diesem Gespräch etwas mitnehmen, was sie weiterschreiben lässt, was sie nicht den Mut verlieren lässt.

Dafür hat es sich schon gelohnt.

Wie man mit multinationalen Firmen arbeitet

Es ist ganz einfach und unkompliziert

  • Der Dienstleister verhandelt die Arbeit.
  • Der Dienstleister erledigt die Arbeit.
  • Der Dienstleister lässt sich von der deutschen Niederlassung per E-Mail bestätigen, dass die Arbeit erledigt wurde.
  • Der Dienstleister schickt eine Brieftaube mit dem Ausdruck dieser Bestätigung ins Hauptquartier im Ausland.
  • Dort wird die Taube gebraten und als Delikatesse an Donald Trump verkauft.
  • Wenn Donald Trumps Sekretärinnen vorgekostet haben und nicht gestorben sind, schickt er eine Depesche ins Hauptquartier, dass alles in Ordnung ist.
  • Die Finanzabteilung im Hauptquartier schickt eine Rohrpost mit der Bestätigung, dass die Bestätigung aus der deutschen Niederlassung valide sei und nun die Rechnung gestellt werden darf, in die deutsche Niederlassung.
  • Diese schickt sie an den Dienstleister per berittenem Boten.
  • Der Dienstleister setzt die Rechnung auf und schickt das PDF in die deutsche Niederlassung.
  • Diese signalisiert dem Hauptquartier im Ausland mit einer Stafette von Rauchzeichen, dass die Rechnung ok ist.
  • Das Hauptquartier sieht die Rauchzeichen und morst eine Freigabe in die Finanzabteilung.
  • Die Finanzabteilung verlangt vom Dienstleister, dass er die das PDF direkt an sie schickt, um den Prozess zu vereinfachen.
  • Der Dienstleister schickt die Rechnung per E-Mail an die Finanzabteilung.
  • Dort wird sie ausgedruckt.
  • Die Rechnung wird von Mönchen in lateinische Handschrift übersetzt und von einem Knabenchor gesungen, während eine Ziege geopfert wird.
  • Die Überweisung wird angewiesen.
  • Das Zahlungsziel von drei Äonen wird konsequent eingehalten.
  • Der Dienstleister erklärt den ganzen Prozess seinem weinenden Steuerberater.

Heureka!

Gestern hatte ich einen dieser wertvollen Momente im Leben eines jungen Autors: es kamen im Kopf zwei Sachen zusammen, die die Grundlage für eine Geschichte sind, vielleicht sogar für einen Roman.

Es ist eine Idee, bei der ich mir sage: die ist verdammt gut und originell … warum hat noch niemand anders diese Idee gehabt?!

Vielleicht hat sie schon jemand gehabt.

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Business Development

Ich sitze im Café und übersetze fröhlich vor mich hin. Am Tisch neben mir werden Geschäfte gemacht. Wichtige Geschäfte. Ein Business-Pitch.

Der Eine ist um die dreißig und nicht ganz ein Vollblut-Hipster, aber kann sich äußerlich dem Zeitgeist nicht entziehen. Zerknittertes Hemd, die Ärmel hochgekrempelt. Cordhose. Ein-Woche-Bart. Seitenscheitel. Engagiert präsentiert er seine Idee, erzählt von der Community, die aufzubauen ist, und anderen wichtigen Dingen. Dabei verwendet er ein iPad und ein Smartphone.

Der Andere dürfte auf die sechzig zugehen, trägt einen Anzug mit einem bunten Einstecktuch, ein lachsfarbenes Hemd, lichtes Haar und eine goldene Brille mit dünnem Rand. Er macht sich Notizen in einem kleinen Block, mit einem blaugoldenen Kugelschreiber.

Es scheint gut zu laufen. Sie reden angeregt miteinander.

Weil ich erstens nicht aufdringlich bin und zweitens sowieso nicht vorhabe, die Geschäftsidee zu klauen (bei Geschäften ist es wie mit Romanen: die Idee ist nicht wichtig, sondern die Umsetzung), ziehe ich Kopfhörer auf.

Mir wird bewusst, dass ich als Freiberufler eine Mischung aus den beiden bin. In mir steckt dieser junge Kreative, der was aufziehen will, aber auch der nüchterne, erfahrene Geschäftsmann, der das Budget im Auge hat. Die beiden reden in meinem Kopf ähnlich miteinander. Hey, widmen wir uns doch diesem Projekt, das ist lustig, aber bringt nicht viel Geld. Aber der andere findet: Nee, investieren wir unsere Zeit lieber dort, wo es sich lohnt.

Jetzt zum Beispiel müsste ich eigentlich weiter übersetzen, aber hatte Lust, diesen Text zu schreiben.

Was hiermit erledigt ist.

Unfreier Autor

Seit ich freier Autor bin, habe ich kaum noch Zeit zum Schreiben.

Denn ich schreibe ja nicht nach Lust und Laune, sondern um davon halbwegs zu leben. Heißt, ich dienstleiste den größten Teil meiner Zeit, und das bedeutet, dass ich so unangenehme Dinge wie regelmäßige Arbeitszeiten schaffen muss, statt auf Musenbelästigung zu warten. Dazu kommt Buchhaltung und dieses Alltagsdings.

Plötzlich merkt man, dass man eine Woche rum ist, in der man gar nicht dazu gekommen ist, an eigenen Projekten zu arbeiten.

Wie bei Angestellten.

Damit sich das ändert, müsste ich meinen Beruf zum Hobby machen.

Komisch.

„Everspace“!

everspace

Bislang konnte ich mir Kickstarter-Kampagnen mit faszinierter Distanz anschauen. Nun stehe ich selbst dort in einem Beschreibungstext und, tja, blicke etwas genauer hin, wie es läuft.

Das Team von Rockfish Games aus Hamburg entwickelt derzeit „EVERSPACE“, einen „rogue-like 3D space shooter“, bei dem ich an Story und Spielwelt mitmischen darf.

Hier ist der Link zu Kickstarter.

Wer sich weiter über das Spiel informieren möchte:

Website.

Facebook.

Twitter.

Und eine Weiterverteilung der Links – besonders zur Kampagne – ist natürlich besonders willkommen. 🙂