Hoffnungslos

Es heißt, man dürfe diese Leute nicht in eine Ecke stellen. Man müsse mit ihnen reden, um ihre Perspektive zu verstehen. Nicht alle von ihnen sind so radikal, wie sie klingen. Sie sind nur besorgt, weil alles nicht mehr so ist wie früher, weil die Dinge sich verändern.

Sie fühlen sich im Stich gelassen und meinen, man werde doch wohl noch sagen dürfen, wenn man etwas nicht gut findet, und sie wollen, dass ihre Meinung ernst genommen wird, wenn sie diese der Welt mitteilen. Der Mainstream tickt anders als sie, und sie glauben von sich, dass sie unbequeme Wahrheiten aussprechen.

Es stimmt wohl. Wir müssen mit diesen Leuten reden. Wir können sie nicht ignorieren und nicht ausschließen. Auch ich versuche, ihre Perspektive nachzuvollziehen.

Trotzdem ist mir schleierhaft, wie man “Rogue One” nicht mögen kann.

Ich habe zum ersten Mal „Twin Peaks“ gesehen

Und jetzt will ich mit einem Baumstamm rumlaufen

Als “Twin Peaks” damals ausgestrahlt wurde, ging es völlig an mir vorbei. Natürlich bekam ich die Eckdaten mit: David Lynch, Mord in einer Kleinstadt in den Bergen, surreal, Kult. Vielleicht habe ich auch in eine Folge reingeschaut, aber nicht viel verstanden und es deswegen sein gelassen. Inzwischen weiß ich, dass man, wenn man alle Folgen sieht, danach auch nicht viel mehr versteht.

Bei amazon video kann man beide Staffeln abrufen, als prime-Kunde sogar ohne Aufpreis, also habe ich mir alles mit 25 Jahren Verspätung angeschaut.

Es war hart.

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„The Force Awakens“ ist nicht UNSER Film

Und damit meine ich uns alten Säcke.

Wir alle haben eine Geschichte, wie wir in “Star Wars” initiiert wurden, sei es durchs Spielzeug, durch Kinobesuch, durch krisselige VHS-Kassetten. Und wir alle erzählen, wie schlimm die Prequels waren.

Teil 7 ist nicht für uns.

Wir sind die Zielgruppe, wir stecken die Kohle rein, die den Film zum erfolgreichsten aller Zeiten gemacht haben. Weil wir gern in dieses Universum zurückkehren. Aber der Film ist nicht für uns, auch wenn wir ihn vereinnahmen, selbst wenn wir ihn gar nicht mögen.

Es gibt teils absurde Negativkritiken, denen ich nur negative Kritiken geben kann. (Ich empfehle ich diese Antwort von Matty Granger auf eine solche.) Gott, was wird gejammert. Über vermeintliche Plot-Probleme, Dialoge, Figuren … eigentlich alles. Dabei muss man, selbst wenn der Film individuell nicht zünden sollte, einfach anerkennen, unter welchem Erwartungsdruck hier etwas entstanden ist, das sich nicht vor der originalen Trilogie verstecken muss und in dem so viel offensichtliche Liebe und Hingabe steckt. Dies ist kein Ripoff, keine billiges Merchandising.

Jetzt kommt der schönste Punkt: das ist alles strunzegal.

Wir alten Säcke werden entweder jammern, dass das nicht mehr das wahre “Star Wars” ist oder — wie ich — mit Gänsehaut dasitzen.

Entscheidend ist, dass gerade eine neue Generation geprägt wird.

In den nächsten 20 Jahren wird es neue, junge SF-Schreibende und -Filmende geben, die durch einen Kinobesuch im Winter 2015/2016 eine neue Liebe gefunden haben. Sie werden diesen Film mit all seinen vermeintlichen Plotholes verehren, sie werden ihn nostalgisch verbrämen. Einige von ihnen schreiben, zeichnen etwas, das als Fan Fiction durchgeht, aber dann werden sie eigene Stimmen finden und ganz neue Welten erschaffen, auf die ich mich jetzt schon freue.

Nicht in einer weit, weit entfernten Galaxis.

Hier.

“The Force Awakens” ist ihr Film.

From Dusk Til Schweiger

Ich habe nur die ersten 15 Minuten des Til-Schweiger-Doppeltatorts gesehen. Am konkreten Werk kann ich nicht rumkritteln. Und ich würde mich eh nur bei den “Trotteln” einreihen, wie Schweiger sie nennt, und das, obwohl ich auch etwas von der “Craft” verstehe, wenn auch nur in einer Unterdisziplin von dem, was das Universalgenie aus Heuchelheim alles kann: “Filmemacher/Schauspieler/Produzent/Writer/Cutter/Composer”.

15 Minuten Schweigertatort

Sie zeigen mir, warum ich als Zuschauer nie mit Schweiger und dem Tatort jeweils warm geworden bin.

Zunächst Schweiger selbst. Dass er kein Charaktermime ist — geschenkt. Das sind viele bekannte Schauspieler nicht. Ich habe auch kein Problem damit, dass er immer ähnliche knarzige Typen spielt, die er für sich offenbar perfekt findet. Mich nervt, dass seine Vorstellung von Charisma und Ausstrahlung sich offenbar in der gleichen rotzigen Ausstrahlung erschöpft, die er auf der Leinwand und der Facebook-Leinwand gleichermaßen ausstrahlt. Alles angestrengt, alles angespannt, immerzu.

Vergleichen wir ihn mit einem seiner offensichtlichen Vorbilder: Bruce Willis.

“Die Hard” ist die Action, nach der Schweiger strebt, und ich wäre nicht verwundert, wenn er auch in seinem Tatort früher oder später im dreckigen Unterhemd rumsteht. Mit diesem Bild, mit dieser Figur wurde Willis bekannt. Stoisch, hart und mit einem blöden Spruch die Bösen in die Luft jagen.

Aber gleichzeitig hat Willis unter anderem in “12 Monkeys” gezeigt, dass er auch schwache und verängstigte Figuren spielen kann. In “The Whole Nine Yards” oder seinem großartigen Gastauftritt in der Serie “Friends” hat er gekonnt Selbstironie bewiesen. Sogar singen kann er.

DAS ist “Craft”.

Talkshow-Auftritt von Bruce Willis / Talkshow-Auftritt von Til Schweiger.

Klar, Amerika ist Showbiz pur, und es sollte nicht das Ziel sein, eine reine Kopie eines anderen zu werden. Und die deutsche Filmlandschaft wäre ohne Til Schweiger NOCH langweiliger, auch wenn man sich das kaum vorstellen mag. Aber diese Mackerei, dieses Haudrauf mit der Panzerfaust im Film und verbal im echten Leben, ohne Nuancen, ohne Charme, ohne Humor erschöpft sich sehr schnell.

Dann der Tatort als solcher.

Immer, wenn ein Tatort als besonders innovativ gefeiert wird, schaue ich halt mal rein. Dann stelle ich fest, dass es ein innovativer Tatort ist, ja, für Tatort-Zuschauer.

Seit ca. 20 Jahren werden wir mit so unfassbar gutem TV-Material überschwemmt, nur stammt es vornehmlich aus den USA, teils aus GB, teils aus CA. Jedenfalls nicht aus dem heimischen Biotop. Ich habe keinen Grund gefunden, warum ich 90 Minuten für einen Tatort reservieren soll, wenn das auf Kosten von “Unbreakable Kimmy Schmidt”, “The Man in the High Castle”, “Brooklyn 99” oder “Jessica Jones” gehen soll, um nur ein paar ganz aktuelle Beispiele zu nennen. Handwerklich gibt es an den Tatorten kaum etwas auszusetzen, gerade bei dem Schweigertatort, wo mit Christian Alvart ein Könner hinter der Kamera steht.

Aber es interessiert mich einfach nicht, was da passiert.

Tschiller telefoniert während eines Einsatzes mit der Tochter, die bei einem Freund übernachtet und regt sich fürchterlich darüber auf. Über was von diesen beiden Sachen soll ich mich mehr aufregen? Diese konstruierte Doofheit des Telefonats an sich in dieser Situation oder das Vaterbild der 50er Jahre?

Dann steht Helene Fischer mit einer schwarzen Perücke da und darf sich davonstehlen.

Dann sitzen wir in der Polizeiwache, schauen Dias und besprechen etwas über irgendwelche Bösewichter.

Dann wechsle ich zu Season 5 von “The Walking Dead”.

Der Tatort ist so sehr kultisiert (und nicht kultiviert) worden, dass Tatortbashing zu einfach ist. Diese endlose Selbstreferenzialität, diese gewollt skurrilen Ermittler mit ihren Privatproblemen, die Raucherstäbchen mit Lokolkolorit, die in den Verwaltungen der Landessender abgefackelt werden … Der Schweiger-Rundumschlag sollte mich da eigentlich gar nicht ärgern, aber er tut es doch. Selbstbeweihräucherung ist manchmal nötig, um als Kreativer überhaupt weiterzumachen, wenn destruktive Kritik aufschlägt, aber hier wird nur die eigene Einseitigkeit verherrlicht.